Alles wird gut von Nina Lykke

Nina Lykke Alles wird gut

Wie konnte es so weit kommen? Elin – Mitte 50, Allgemeinärztin seit 20 Jahren und genauso lange verheiratet mit Aksel – ist kurzerhand in ihre Praxis gezogen. Während Aksel jede freie Minute mit Skilanglauf verbringt, schickt Elin eines Abends schon leicht angeschickert eine Nachricht an ihren Jugendfreund Bjørn – der antwortet prompt. Elin fühlt sich das erste Mal seit Langem wieder richtig lebendig. Aus Alltagsresignation wird erwartungsvolle Aufbruchsstimmung. Doch eine langjährige Ehe und das gutsituierte Leben im Reihenhaus lassen sich nicht so leicht abschütteln. Das ist die Ausgangssituation des vielfach ausgezeichneten Romans, der mit entlarvender Ehrlichkeit das Beziehungsleben der modernen Großstädter in mittleren Jahren unter die Lupe nimmt.

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Mimi

    Klappentext Wie konnte es so weit kommen? Elin – Mitte 50, Allgemeinärztin seit 20 Jahren und genauso lange verheiratet mit Aksel – ist kurzerhand in ihre Praxis gezogen. Während Aksel jede freie Minute mit Skilanglauf verbringt, schickt Elin eines Abends schon leicht angeschickert eine Nachricht an ihren Jugendfreund Bjørn – der antwortet prompt. Elin fühlt sich das erste Mal seit Langem wieder richtig lebendig. Aus Alltagsresignation wird erwartungsvolle Aufbruchsstimmung. Doch eine langjährige Ehe und das gutsituierte Leben im Reihenhaus lassen sich nicht so leicht abschütteln. Das ist die Ausgangssituation des vielfach ausgezeichneten Romans, der mit entlarvender Ehrlichkeit das Beziehungsleben der modernen Großstädter in mittleren Jahren unter die Lupe nimmt. Quelle: btb-Verlag Meine Meinung zum Buch Cover Das Cover gefällt mir persönlich sehr gut. Auf cremefarbenen Hintergrund ist der Titel in Rot in ein Aquarell-Blumenbukett eingefasst. Alles ist leicht in sich verschoben, was sicherlich auf die verschobene und durcheinandergeratene Welt der Protagonistin hinweist. Der Name der Autorin fügt sich in einfachen schwarzen Buchstaben am oberen Rand gut ein. Inhalt: Elin ist Mitte 50 und Ärztin. Ihr Leben ist festgefahren und in ihrer Ehe ist sie schon lange nicht mehr glücklich. Ihr Mann Aksel interessiert sich hauptsächlich für seinen Sport und Elin hat begonnen sich ihrem Sofa, Serien und dem Alkohol als Freizeitausgleich zu widmen. Als sie versehentlich ihrer alten Jugendliebe Bjørn über Facebook eine Freundschaftsanfrage sendet, nimmt das Schicksal seinen Lauf. NEIN sagen war noch nie Elins Stärke und so schliddert sie ungebremst in eine Affäre mit Bjørn, der sie nie vergessen und sich immer gefragt hat, wie sein Leben wohl verlaufen wäre, wenn er mit Elin zusammengeblieben wäre. Soweit die Grundgeschichte. Eigentlich nichts Außergewöhnliches! Allerdings wird die Geschichte verpackt in Elins bissige Ansichten zu ihren Patienten, ihrem Mann Aksel, Freunden, Gesellschaft und schließlich zu sich selbst. Im gedanklichen Gespräch mit ihrem Praxisskelett Tore analysiert Elin den Verlauf ihres Lebens und wie es dazu kommen konnte, dass sie sich immer für alles verantwortlich gefühlt hat, alles übernommen hat um schlussendlich in einer Sackgasse voller Überforderungen zu landen. Die Konsequenz daraus ist Einsamkeit, Frust und die Flucht in Süchte. Schreibstil: Die Autorin schildert das Leben ihrer Protagonistin Elin mit psychologischer Tiefe und ohne ein Blatt vor dem Mund/Stift zu nehmen. Es werden Ausdünstungen und Körperöffnungen offen angesprochen und menschliches Verhalten unverblümt beleuchtet. Dies ist sicher nicht für jedermann angenehm. Die bissige Sicht auf das Leben und Beziehungen hat mir sehr gut gefallen, allerdings hat sich für mein Empfinden alles ein wenig zu lange hingezogen. Schön fand ich, dass Elin sich nicht unterkriegen lässt, immer weiter macht und versucht den Sinn in allem zu finden. Fazit: Ich habe mich wirklich gut unterhalten gefühlt und musste das ein oder andere Mal wirklich schmunzeln über den unverblümten und oft passenden Blick auf menschliche Verhaltensmuster. 4 Sterne
  • Von: Birgit Tamegger

    Elin, Ärztin in eigener Praxis, stellt fest, dass die immer größer werdende Menge Alkohol ihr nicht aus dem frustrierenden Alltag hilft. Beide Töchter im Studium, der Mann Aksel in Sachen Sport unterwegs, findet Elin schließlich per Facebook ihre Jugendliebe wieder. Aus ersten scheuen Annäherungen entsteht eine Liebesbeziehung, die nicht verborgen bleibt. Ein kurzweiliger und amüsanter Roman, mehr als eine Bettlektüre. Fein gezeichnete Charaktere jenseits der Lebensmitte auf der Suche nach anhaltendem Glück.
  • Von: Kate Rapp

    Ja, so mag ich das: eine alte Geschichte frisch erzählt, mit einer großen Portion Selbstironie, nicht ohne Sarkasmus und mit ein paar hübschen Metaphern garniert. Dieser Roman mit dem ausgeleierten, überstrapazierten Titel, den man ebenso wie die Protagonistin nicht ganz ernst nehmen sollte, wirft einen hinein in die Lebenskrise der Ärztin Elin. Sie ist über Fünfzig und von der Welt, ihrem Beruf und nicht zuletzt von sich selbst desillusioniert. Sie hasst ihre nörgelnden Patienten, schläft allerdings, wie um sich selbst zu kasteien, auf dem harten Klappsessel in ihrer Praxis, denn sie hat ihren Mann betrogen, ihn verlassen und ihm das Haus geschenkt. Ein übermächtiger Überdruss sitzt ihr im Nacken und sieht ihr bei den Konsultationen über die Schulter, lässt sie unhörbare, bissige Kommentare mit ihrem Plastikskelett Tore austauschen, das mitleidlos Paroli bietet, gleich einem sturen Über-Ich oder dem personifizierten Mephisto. Sie betet ihren Patienten ständig Lebensweisheiten, Sprichwörter und andere Plattitüden vor, an die sie selbst nicht mehr glaubt, erstickt ihre Unzufriedenheit in riesigen Rotweingläsern oder im Bett des verheirateten Björn. Nun ist alles vorbei, ihre Ehe, ihre Affäre und sie sitzt in den Trümmern ihres Lebens und wir erfahren so nach und nach, wie es dazu kommen konnte. In diesem kurzweiligen Roman rechnet die Autorin mit der gutbürgerlichen Gesellschaft ab, der gepflegten und mit dem Deckmäntelchen der Toleranz kaschierten Spießigkeit der intellektuellen Bourgoisie ihres Wohnbezirks namens Grenda. „..das Wort maskulin würde ich in Grenda nie in den Mund nehmen, denn in Grenda ist Geschlecht eine kulturelle Konstruktion, und doch taucht dieses Wort in mir auf und legt sich über seine Schultern, Oberarme, Bartstoppeln und die grauen Haare auf der Brust, die aus dem Hemd herauslugen.“ Gleichzeitig zeigt sie uns die Lächerlichkeit der menschlichen Existenz, den täglichen Selbstbetrug und das bemitleidenswerte Streben nach Jugend und Relevanz bei brutal entstellter Selbstwahrnehmenung. Es geht um die Abgründe im Menschen und die Gier nach Bestätigung, ob im Privaten oder in Bezug auf den eigenen Körper, die Gesundheit, die Gesellschaft. In ihrer Sprechstunde reiht sich Hypochonder an Depressiven, an Fettsack an Hysteriker, die die Ärztin als Empathie-Service-Kraft betrachten, die jeden ihrer Ansprüche zu erfüllen hat, und konfrontiert mit diesem Klientel, bleibt Elin nur die Flucht in die Misanthropie. „Mittlerweile habe ich die Menschen und ihr Auftreten, ihre Gerüche und ihr dummes Geschwätz so satt, dass ich, wäre es möglich, freiwillig die Spezies wechseln würde. Ich könnte mich zur Schimpansin umoperieren lassen, sodass man von mir keine anderen Laute erwarten dürfte als uh-uh-uh-uh.“ Bissig, schwarzhumorig und streckenweise erfrischend politisch unkorrekt liest sich dieses Buch, das in Schimpftiraden über einen hereinbricht, wie ein reinigendes Gewitter. Und wenn man es zuklappt, seufzt man tief und befreit auf. Wunderbar! Aus dem Norwegischen von Sylvia Kall und Ida Kronenberger, btb 2021
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