Das Verschwinden des Dr. Mühe von Oliver Hilmes

Oliver Hilmes Das Verschwinden des Dr. Mühe

Ein Kriminalfall aus dem Berlin der 30er Jahre – ein raffiniert erzähltes Sittenbild am Vorabend der Diktatur.

Ein spektakulärer Cold Case aus dem Berlin der 30er Jahre – das neue Buch des Bestsellerautors

Ein angesehener Arzt verschwindet über Nacht. Sein Sportwagen wird verlassen am Ufer eines Sees bei Berlin gefunden. Die Mordkommission ermittelt und stößt hinter der sorgsam gepflegten Fassade des ehrenwerten Doktors auf die Spuren eines kriminellen Doppellebens, das von Berlin nach Barcelona führt. Oliver Hilmes hat die Akten dieses aufsehenerregenden Kriminalfalls aus der Spätzeit der Weimarer Republik im Berliner Landesarchiv entdeckt. Auf der Basis dieser Dokumente und angereichert mit fiktionalen Elementen, setzt er das mysteriöse Puzzle zusammen. Auf packende Weise und höchst raffiniert erzählt er von der Suche nach Wahrheit und von den Abgründen der bürgerlichen Existenz am Vorabend der Diktatur.

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Stephan Gewalt

    Ein Buch, welches einen so schnell nicht mehr loslässt. Man taucht ein in das Setting der späten Dreißiger Jahre und wird Teil dieser Gesellschaft als Beobachter aus dem Heute heraus. Man dringt ein in die Denkweise der Menschen damals, ohne diese jemals kritisch zu hinterfragen. Das liegt an der schön gestalteten und sicher auch durchdachten Schreibweise des Autoren Oliver Hilmes, der es schafft ein Bild vom Berlin der End-Dreißiger zu zeichnen, was ohne ermahnenden Zeigefinger gen Himmel auskommt. Wie schafft er das? Nun, Hilmes hat sich im Landesarchiv Berlin umgesehen und die Akten, wenigen Fakten und Daten zu diesem interessanten und spannenden Fall zusammengetragen. Er geht bei der Überarbeitung chronologisch vor. Was geschah mit Dr. Mühe, der irgendwann am Vorabend der verbrecherischen Hitler-Diktatur an einem Weiher bei Berlin verschwand? Der Autor will es nicht nur beschreiben, sondern auch herausfinden und am Ende ist der Krieg aus und eine Lösung zeichnet sich ab. Der Roman ist sehr spannend geschrieben und ich mag Bücher, die eine Geschichte erzählen ohne sich dabei in einem endlos aufgeblähten Wälzer zu ergehen. Bücher mit mehr als 300 Seiten fasse ich daher bewusst nicht an, wobei es Ausnahmen gibt. Dieses Buch erzählt aufsehenerregend und geheimnisvoll von Beginn an und es verspricht ein Ende. Wie jede gute Geschichte gibt es auch hier ein Anfang und ein Ende und keine Endloserzählung, die allein dem kommerziellen Zwecke folgt. Und doch. "Das Verschwinden des Dr. Mühe" ist ein bisschen wie "Babylon Berlin", wenn auch recht real.
  • Von: poesielos

    Wie erzählt man eine Geschichte, die kein Ende hat? Keine so leichte Frage, und eine, die ganz natürlich bei einem unaufgeklärten Kriminalfall aufkommt. Oliver Hilmes ist bei der Recherche zu seinem Buch Berlin 1936: Sechzehn Tage im August über einen solchen gestolpert: Der angesehene Doktor Erich Mühe verschwindet spurlos im Juni 1932, nur sein Sportwagen wird an einem See entdeckt. Was zuerst wie ein simpler Badeunfall erscheint, wird immer verworrener, je weiter die Ermittlungen voranschreiten. Ich kannte Hilmes nüchternen klaren Schreibstil bereits aus Berlin 1936, und war wieder fasziniert, wie leicht man trotzdem in seine Erzählung eintaucht. Über weite Teile begleitet man als Leser Kommissar Ernst Keller bei seinen Ermittlungen zum Fall Mühe. Was für ein Mensch war der Arzt, gab es Probleme oder Vorfälle vor seinem Verschwinden, wer hat ihn wann zuletzt gesehen bzw. fehlen Besitztümer? All diesen Dingen und mehr geht Keller zusammen mit seinem Assistenten nach, und immer, wenn der Fall klar erscheint, wendet sich wieder das Blatt. Beweise, die nicht zusammen passen. Zeugenaussagen, die sich widersprechen. Statt Antworten kommen dabei nur mehr und mehr Fragen auf. "Ein idyllischer Ort, denkt Keller. Was hat Erich Mühe hier mitten in der Nacht nur gewollt?" | Seite 9 Auch wenn Hilmes sich vorrangig natürlich auf das Verschwinden des Arztes in seinem Buch konzentriert, so scheint doch immer wieder der Historiker durch: Quasi nebenbei zeichnet er ein Bild von Berlin und seiner politischen Lage, streut kleine Fakten ein und vermittelt wichtiges Wissen für den Kontext. So gibt es beispielsweise einen Zeugen, der im späteren Verlauf durch seine NSDAP Parteimitgliedschaft Keller drohen kann ohne selbst Konsequenzen zu fürchten, oder Beschreibungen zur Nachbarschaft der Mühes. Die Kriminalgeschichte liest sich streckenweise fantastisch, sodass man kaum glauben kann, das es sich hier um einen realen Fall handelt. Gut zwanzig Jahre umspannt die Erzählung, wobei der Endpunkt, der hier von Hilmes präsentiert wird, den Leser doch etwas ratlos zurücklässt: Hilmes kommt zu seinem eigenen Schluss, was dem Doktor widerfuhr, und führt seine Erzählung dorthin. Das Ende ist dann aber doch offen gehalten und traut sich den finalen Schritt nicht, ein Nachwort oder ähnliches sucht man vergebens. Auf der letzten Seite findet sich lediglich der Verweis auf die Website doktormuehe.de für weitere Informationen und Hintergründe. Da das Buch selber wahrlich nicht dick ist, finde ich es schade, dass beispielsweise die auf der Website hinterlegten Kurzporträts und der Text Oliver Hilmes über ››Das Verschwinden des Dr. Mühe‹‹ nicht direkt darin mit abgedruckt wurden. Ebenso wären Abbildungen, Karten oder Fotos eine interessante Ergänzung zum Text gewesen, anstatt das die Erzählung lediglich an wenigen Stellen mit Zitaten von Lucius Annaeus Seneca unterbrochen wird. Abgesehen von dem gewählten Schlusspunkt hat mir Das Verschwinden des Dr. Mühe allerdings sehr gefallen. Hilmes schafft eine gekonnte Gradwanderung zwischen Kriminalroman und Sachbuch, die einen in seinen Bann zieht und Lust auf mehr in dieser Art macht. Obgleich das Buch relativ wenige Seiten umfasst, bekommt man doch einen guten Eindruck von Mühe, seinem Umfeld, sowie der Polizeiarbeit zu jener Zeit. Zwar wird der Fall vermutlich nicht mehr final geklärt werden können, aber zumindest einen Antwortvorschlag präsentiert Hilmes – und der Leser kann mit den gegebenen Fakten natürlich zu seinem eigenen Schluss kommen.
  • Von: Buchstabenfestival

    Oliver Hilmes kannte ich bisher nur als Autor von biografischen Roman. Nun also eine Kriminalgeschichte. Die Geschichte spielt in Berlin 1932 und streckt sich bis 1950. Ein erfolgreicher und geschätzter Arzt verschwindet eines Nachts und niemand weiß, warum und wie. Auch die Mordkommission kann nur wenige aussagekräftige Anhaltspunkte finden. Der Cold Case wurde in der Sammlung des legendären Berliner Ermittler Ernst Gennat gefunden und Oliver Hilmes hat daraus einen spannenden, sehr gut recherchierten und authentischen Roman gemacht. Die Charaktere und die Umgebungen werden so gut beschrieben, dass man sich mittendrin fühlt. Auch der Berliner Dialekt wurde wunderbar getroffen und sorgte für eine besondere Stimmung. Mir gefallen die Ermittlungen aus dieser Zeit - Block und Stift, einfache Fotografien und jede Menge Befragungen. Alles findet noch ohne digitale Medien und Hilfsmittel statt. Man entschleunigt beim Lesen. Der Kommissar versucht über Jahre diesen Fall, der immer mysteriöser wird, aufzuklären. Doch seine Bemühungen werden nicht belohnt und auch die Lesenden bekommen ein Ende präsentiert, welches man so vielleicht nicht erwartet hätte. Mir hat der Fall gut gefallen. Die kurzen Abschnitte, die sehr authentische Geschichte und der gute Schreibstil haben mich überzeugt. Ich hoffe, der Autor wird sich noch einmal einem solchen Cold Case annehmen und als Kriminalgeschichte aufarbeiten.
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