Der Fremde aus Paris von Isabella Hammad

Isabella Hammad Der Fremde aus Paris

Eine Liebe zwischen den Kulturen – und das Epos einer Zeitenwende.

Montpellier, zu Beginn des Ersten Weltkriegs: Als der junge Palästinenser Midhat von Bord eines Dampfers aus Alexandria geht, ist das für ihn der Aufbruch in eine strahlende Zukunft. Begierig wirft er sich in sein Medizinstudium, saugt die französische Kultur auf, verliebt sich in die emanzipierte Jeannette. Doch in den vom Krieg aufgeschreckten bürgerlichen Salons bleibt Midhat ein Fremder - und muss lernen, wie zerbrechlich alles ist: aus Freunden werden Feinde, aus Liebe wird Verrat. Er flüchtet sich in das exzessive Treiben in Paris und von dort zurück in die strenge väterliche Obhut nach Palästina. Doch auch aus seiner Heimat ist im Streben um Unabhängigkeit mittlerweile ein Pulverfass geworden...

Virtuos erzählt Isabella Hammad vom Leben eines Grenzgängers und Wurzellosen. Es ist der bewegende Roman einer Liebe zwischen den Kulturen und das Epos einer Zeitenwende - von klassischer Brillanz und unerhörter Aktualität.

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Romael

    Selten hat mich ein Buch so verwirrt wie dieses. So viele Beziehungen, so viele Namen und Familien. Aber zum Glück hat die Autorin dem Leser einen Leitfaden mit an die Hand gegeben. Penibel sind alle Protagonisten und Protagonistinnen inklusive ihrer Zugehörigkeit zu einer Familie, unterstützt mit Querverweisen, wer zu wem in Beziehung steht aufgeführt, was sich während des Lesens als sehr hilfreich erwies. Die Geschichte des jungen Arabers Midhat, der zum Studieren nach Paris kommt, zeigt deutlich die Unterschiede der verschiedenen Kulturen auf. Das Haus seines Gastgebers, einem Professor, verlässt er, weil er einige Äußerungen in wissenschaftlichen Gesprächen des Professors mit Kollegen, die ihn betreffen als rassistisch empfindet. Damit verlässt er auch seine große Liebe, die ihn nie mehr loslassen wird. Enttäuscht, verletzt, fast schon verbittert schließt er sich in Frankreich politischen Gruppierungen an. Als er kein Geld mehr hatte und nicht mehr unterstützt wurde, reist zurück nach Palästina, gründet eine Familie, nimmt am gesellschaftlichen und politischen Lben teil, aber dort ist und bleibt er "Der Fremde aus Paris". Für mich ungewöhnlich lange habe ich zum Lesen des Buches gebraucht und zwischendurch auch schon mal einige Tage nicht gelesen, damit ich dem Geschehen besser nachspüren konnte. Aber trotz allem und vielleicht gerade deswegen halte ich dieses Buch für sehr empfehlenswert, weil sich hier für mich eine total neue Welt auftat, sowohl was die Kultur, als auch die historische Darstellung betrifft.
  • Von: Susanne Probst

    Identität und Zugehörigkeit ... Innere und äußere Konflikte. Ein komplexer, interessanter und lesenswerter Roman! „Der Fremde aus Paris“ spielt vor dem Hintergrund der Konflikte des Nahen Ostens von 1914 bis 1936 und ist angelehnt an die Lebensgeschichte des palästinensischen Urgroßvaters der Autorin. Midhat, den seine Großmutter aufgezogen hat, weil seine Mutter verstarb, als er noch sehr klein war, lebt in Palästina und ist der Sohn eines reichen Tuchhändlers. Eines Tages, unmittelbar vor Beginn des ersten Weltkrieges, schickt ihn sein Vater nach Frankreich, um dort Medizin zu studieren. Midhat ist erstaunt, beeindruckt und regelrecht überwältigt von dieser neuen und ihm fremden Welt, in die er sich nur bedingt integrieren kann. Vergeblich versucht er, in Montpellier Fuß zu fassen. Sowohl in seiner Gastfamilie, in der Universität als auch auf den abendlichen Feierlichkeiten und Festen bleibt er außen vor. Auch was die Liebe zur Tochter seines Gastgebers, eines Professors, betrifft, hat er keinen Erfolg. Schließlich zieht er nach Paris, wo er letztlich ungebunden und weiterhin als Fremder und mehr oder weniger als Außenseiter mehrere Jahre mit zahlreichen wechselnden Frauengeschichten verbringt, bevor ihn sein Vater nach insgesamt fünf Jahren in seine Heimat, in das Dorf Nablus, zurückruft. Dort kommt er erneut dem Wunsch seines Vaters nach: er heiratet die Muslimin Fatima und gründet mit ihr eine Familie. Midhat wird Vater von vier Kindern und Besitzer eines Tuchladens. Und das alles vor dem Hintergrund gewalttätiger Unruhen, kämpferischer Auseinandersetzungen mit Rebellen und Kriegen zwischen Juden und Arabern. Während der Lektüre empfand ich viel Mitgefühl und Sympathie für Midhat, der sich weder in Frankreich noch später in seiner ursprünglichen Heimat zugehörig fühlt. In Frankreich zu sehr Palästinenser und zu wenig Europäer. In seinem Dorf zu wenig Palästinenser und zu viel Europäer. Hier wie dort kommt er sich heimatlos und fremd vor. Es war unglaublich interessant über Midhat und seine Geschichte eine andere, mir ziemlich fremde Kultur, Geschichte und Geographie kennenzulernen und Einblicke in das Leben der Palästinenser und den Alltag von Muslimen zu bekommen. Die britisch-palästinensische Schriftstellerin Isabella Hammad ist eine präzise Beobachterin und eine begnadete Erzählerin, die in ihrem Debutroman unaufgeregt, detailreich, geistreich und feinfühlig eine vielschichtige und atmosphärische Geschichte erzählt, die den damaligen Zeitgeist wunderbar vermittelt. Mit Midhat hat sie einen sympathischen Protagonisten entworfen, den sie tiefgreifend, vielschichtig und mit all seinen Ecken und Kanten beschreibt. Ich empfehle diesen klug und raffiniert komponierten historischen Roman, der in einer schönen, leicht und flüssig lesbaren Sprache geschrieben ist, sehr gerne weiter. Obwohl dieses imposante Werk über 700 Seiten umfasst, empfand ich es zu keinem Zeitpunkt langweilig oder langatmig. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und konnte meinen Horizont erweitern. Was will man mehr? Ein Debutroman? Chapeau!
  • Von: LiteraturReich

    Ein 730 Seiten starker Debütroman von einer jungen britisch-amerikanischen Autorin mit palästinensischen Wurzeln, der sich mit eben jenen Wurzeln beschäftigt, hat im vergangenen Jahr für einige Furore in der englischsprachigen Welt gesorgt. Die New York Times bezeichnet den Roman Der Fremde aus Paris von Isabella Hammad gar als einen der wichtigsten Romane des Jahres 2019. Was ist dran an diesen Lobeshymnen? Die Geschichte startet zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der junge Midhat Kamal, Sohn eines wohlhabenden und erfolgreichen Tuchhändlers aus Nablus, befindet sich auf der Überfahrt von Alexandria nach Marseille, um von dort nach Montpellier zu reisen. Hier beginnt er ein Medizinstudium. Für Midhat ist es ein Aufbruch in ein neues Leben, heraus aus der Enge seiner palästinensischen Heimat und hin zum freien Leben im bewunderten Frankreich. Als Gastvater fungiert der ehemalige Professor Fréderic Molineu, in dessen freigeistige, fröhliche Tochter Jeannette sich Midhat schnell verliebt. Die beiden werden ein Paar, Midhat denkt an Heirat. Das Ganze ist nicht ganz so mit Kitsch beladen, wie sich das vielleicht anhört. Die Grenze dazu streift Isabella Hammad in Der Fremde in Paris aber immer wieder einmal. Midhat wird nicht nur von den Molineus freundlich aufgenommen, sondern findet sich auch recht gut im französischen Alltag zurecht. Ein gewisses Fremdheitsgefühl ist aber naturgemäß immer da, zudem fühlt sich Midhat trotz seiner hervorragenden Französischkenntnisse, seiner Kultiviertheit und WAufgeschlossenheit oft nicht ganz gleichwertig zu seinen Kommilitonen. Dennoch ist er bestürzt, als er entdeckt, dass Professor Molineu ihn zum Objekt von Studien über Muslime und ihre Integrationsfähigkeit in westliche Gesellschaften gemacht hat. Verärgert bricht er nicht nur mit ihm, sondern auch mit Jeanette und zieht nach Paris. Das Medizinstudium gibt er auf und schreibt sich an der Sorbonne für Geschichte ein. Während der Erste Weltkrieg immer präsenter wird und das Osmanische Reich zu zerfallen beginnt, führt Midhat ein einigermaßen ausschweifendes Leben. Zugleich wird aber auch der Druck durch seinen Vaters immer größer. Midhat soll heimkehren und endlich heiraten. Die blutjunge Fatima wird seine Frau, er übernimmt das väterliche Geschäft, während der Vater mit seiner zweiten Frau in Kairo lebt. Isabella Hammad gelingt es in Der Fremde aus Paris sehr gut, das Leben im zerfallenden osmanischen Reich und unter der britischen Mandatsherrschaft nach dem Krieg zu beschreiben. Die aufkommenden Unabhängigkeitsbestrebungen der arabischen Nationalisten, die immer gewalttätiger werden, die brutale Niederschlagung durch die Briten. Immer mehr Zionisten ziehen ins Land, wodurch die Palästinenser sich immer mehr in ihrer Existenz bedroht fühlen. Diese Umbruchszeit, die die Wiege für den andauernden israelisch-palästinensischen Konflikt ist, bildet den spannendsten Teil des Buchs. Midhat selbst ist eher wenig politisch engagiert, er kämpft mit seinem eigenen Schicksal, als er nach dem Tod des Vaters sein Erbe verliert und sein Tuchgeschäft einem Brand zum Opfer fällt. Auch die Ehe mit Fatima verläuft nicht glücklich. Isabella Hammad präsentiert einen opulenten Roman, breit ausufernd, behält aber ihr umfangreiches Personal immer im Blick. Ein dreiseitiges Personenregister hilft, dass es den Leser:innen ebenso gelingt. Ihre Sprache ist zum Glück nicht so wuchernd, da bleibt sie elegant und klar. Leider schmuggelt sich an manchen Stellen etwas Kitsch in die Geschichte, was aber nicht wirklich ins Gewicht fällt. Anders erging es mir mit manchen ausufernden Gesprächspassagen. Da hätte man im Lektorat einiges kürzen können. Ich habe da oft etwas quergelesen. Ein etwas kompakterer Roman wäre im Endeffekt der gelungenere gewesen.
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