Die Spur des Schweigens von Amelie Fried

Amelie Fried Die Spur des Schweigens

Journalistin Julia schlägt sich mühsam als freie Schreiberin durch und träumt von der großen, investigativen Story. Sie erhält einen Hinweis auf mögliche sexuelle Übergriffe in einem renommierten Forschungsinstitut. Der Me-too-Debatte überdrüssig, geht sie dem Verdacht zunächst nur halbherzig nach. Als sich aber die erste Betroffene bei ihr meldet und Julia den attraktiven Hauptverdächtigen kennenlernt, ist ihr Reporterinnen-Instinkt geweckt.

Am Institut stößt sie auf ein gefährliches Gemisch aus Machtmissbrauch, Schweigen und Vertuschung – und auf eine schockierende Verbindung zu ihrem Bruder Robert, der zwölf Jahre zuvor spurlos verschwunden ist. Plötzlich muss Julia sich unangenehme Fragen stellen: Was hat Robert mit dem Selbstmord einer chinesischen Doktorandin zu tun? Warum wurde seine Leiche nie gefunden? Hat sie all die Jahre etwas übersehen?

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Schneeweißchen und Rosenrot

    Lisa, 39 Jahre, ist die typische Heldin eines modernen Frauenromans, in diesem Fall „Die Spur des Schweigens“ von Amelie Fried. Jene hat jede Menge Probleme zu lösen: keine feste Beziehung, keinen festen Job als freie Journalistin, die sich von Gelegenheitsauftrag zu Gelegenheitsauftrag hangelt, bald auch keine Wohnung mehr, die man ihr aus Eigenbedarf gekündigt hat, dazu eine an Demenz erkrankte Mutter und einen seit vielen Jahren verschollenen Bruder, dessen Schicksal sie nicht loslässt, sondern vielmehr Ursache für viele ihrer Probleme ist, wie sie glaubt. Dafür aber hat sie auch zwei gute Freundinnen, die ähnliche Partnerschaftsprobleme mit ihr zusammen in einem Salsa-Kurs wegtanzen wollen, einen Freund, der Anwalt ist, fürsorglicher Vater zweier Kinder, die er mit Bioschokolade mit Tonkabohnen-Mousse verwöhnt, und dessen Hilfe sie noch nötig haben wird, und einen weiteren Freund, der ihr einen journalistischen Auftrag verschafft, der ihrem Leben eine dramatische Wendung geben wird und sie zugleich auf die Fährte ihres vermissten Bruders setzt. Denn die Frage treibt sie um, ob der Fall, über den sie berichten wird, auch etwas mit ihm und seinem Verschwinden zu tun hat: Es geht um sexuelle Belästigung und den Machtmissbrauch von Männern in führenden Positionen eines Wissenschaftsinstitutes. Damit reißt der Unterhaltungsroman, der sich leicht liest, ein ernstes und zugleich aktuelles Thema an, das seit der me-too-Debatte für gesellschaftlichen Diskussionsstoff sorgte. Interessant ist der Angang an dieses Thema insofern, da die Protagonistin zunächst eine eher skeptische Haltung einnimmt und nicht gleich als Frau auf Seiten der Frauen in die Debatte einsteigt. Vielmehr fragt sie sich zunächst, ob jeder freche Spruch oder jede anzügliche Geste von Männern Frauen gegenüber gleich ein Grund sei, nach sexueller Belästigung zu schreien, oder ob die Frauen nicht „Manns“ genug sein sollten, sich selbst dagegen zur Wehr zu setzen. Im Verlauf des Romans muss die Heldin ihren Standpunkt differenzieren, wobei – als großer Pluspunkt des Romans – dieses schwierige Thema aus unterschiedlichen Perspektiven – der Frau als hilflosem Opfer, des zu Unrecht diffamierten Mannes, aber auch des sich seiner Männlichkeit überbewussten Täters – beleuchtet wird. Allerdings lenkt der Roman durch all die anderen, oben bereits erwähnten Probleme der Protagonistin bisweilen zu sehr von diesem Thema ab. Und auch die Tatsache, dass sich am Ende zu vieles zu sehr in Wohlgefallen auflöst, lässt ein wenig an Tiefgang in der Auseinandersetzung vermissen. Somit bleibt „Die Spur des Schweigens“ ein locker zu lesender Unterhaltungsroman mit dem ein oder anderen Klischee moderner „Frauenbücher“ und auch die Frage, ob ein Unterhaltungsroman einem so komplexen Thema wirklich gerecht werden kann.
  • Von: Kati liest

    „Die Spur des Schweigens“ könnte man vielleicht als „systemkritische Kriminalgeschichte“ umschreiben. Auf der einen Seite geht es um die "Me Too"- Bewegung und der Umgang mit Frauen im Wissenschaftsbetrieb, was meiner Meinung nach von Amelie Fried leider nicht ganz so gut umgesetzt wurde. Teilweise ist sie zu ausschweifend, an anderen Stellen geht sie wiederum nicht genug in die Tiefe und lässt wichtige Aspekte außer Acht. Anderseits ist da die Geschichte um den vermissten Bruder der Protagonistin und Journalistin Julia, die in den „Me Too“-Strang eingewoben ist. Das ist der für mich weitaus interessante Teil, der ruhig noch mehr Raum hätte einnehmen können – vor allem die kurzen Passagen aus der Perspektive des Bruders haben der Geschichte mehr Tiefgang verliehen. Trotz der brisanten Themen ist der Roman mit Leichtigkeit geschrieben, lässt an den entscheidende Stellen aber nicht die nötige Ernsthaftigkeit vermissen. Die Entwicklungen sind zwar weitestgehend vorhersehbar, aber dennoch war es für ein lesenswerter Roman.
  • Von: Visal

    Die Spur des Schweigens hat mich nicht auf den ersten fünf Seiten gepackt, aber dann mehr und mehr eingesaugt, so dass ich unbedingt nach jedem Kapitel wissen wollte, wie es weiter geht. Das Thema „me-too“ wird von mehreren Seiten betrachtet und nicht nur als flacher Aufschrei eingebaut, was mir ebenso gut gefallen hat wie die Tatsache, dass Amelie Fried auch echte Charakterschwächen von handelnden Personen sehr einfühlsam und nachvollziehbar beschreibt. Doch einige Stellen fand ich zum Teil sehr langatmig. Ein wichtiges Buch für alle, die sich mit dem Thema „me too“ näher beschäftigen möchten.
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