Wir sind Wölfe von Katrina Nannestad

Katrina Nannestad Wir sind Wölfe

Manchmal ist es gut, wild zu sein. Manchmal muss man es sogar sein.

Liesl hat ihrer Mama versprochen, auf Otto und Mia aufzupassen. Sie ist die Älteste, sie hat die Verantwortung. Um nicht der Roten Armee in die Hände zu fallen, schlagen sich die drei Geschwister im bitterkalten Winter alleine durch die Wälder und Sümpfe Ostpreußens, immer auf der Suche nach Nahrung und einem Unterschlupf für eine Nacht. Als sie eines Tages auf drei verwahrloste Jungen stoßen, die ihnen vom Kriegsende und dem Tod Hitlers erzählen, sind es auch diese drei, die Liesl die Augen öffnen: »Ihr seid wild, Wölfe wie wir.« Und Liesl muss den Jungen recht geben. In einer Welt, in der Kinder auf sich allein gestellt auf der Flucht sind, müssen sie zu Wölfen werden, um zu überleben. Wölfe lassen sich nicht erwischen. Wölfe geben aber auch nicht auf. Und manchmal geschieht ein Wunder.

Ein spannender Kinderroman über das bewegende Schicksal der Wolfskinder

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: die.buecherdiebin

    Inhalt: Ostpreußen 1945: Als in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs die Rote Armee in Ostpreußen einmarschiert, muss die Familie Wolf mit nur wenig Gepäck und einem Pferdewagen fliehen. In dem großen Durcheinander während eines Angriffs auf die Flüchtenden auf dem Eis des Frischen Haffs, verlieren die drei Kinder der Familie den Anschluss und sind nun auf sich allein gestellt. Die Älteste, die elfjährige Liesl, trägt nun die schwere Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister - den siebenjährigen Otto und die erst eineinhalb Jahre alte Mia - denn sie hat ihrer Mutter versprochen, gut auf die beiden aufzupassen. Im bitterkalten Winter Ostpreußens schlagen sie sich alleine durch und werden zu sogenannten „Wolfskindern“. („Wolfskinder“ wurden die deutschen Kinder genannt, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs elternlos in Ostpreußen zurückblieben und in den Wäldern zu Tausenden um ihr Überleben kämpften.) Meine Meinung: Tragischerweise ist das Thema Flucht und Vertreibung im Moment wieder sehr aktuell, was dieses Buch noch eindringlicher und emotionaler macht. Da mir das Thema Flucht aus Ostpreußen aber aus persönlichen Gründen sehr am Herzen liegt - die Familie meines Vaters wurde vertrieben und meine Oma wagte die Flucht über das Frische Haff - wollte ich das Buch trotz der aktuellen Fluchtbewegungen aus der Ukraine unbedingt lesen. „Wir sind Wölfe“ wird vom Verlag schon für Kinder ab 10 Jahren empfohlen, was ich allerdings wegen einiger dramatischer und emotionaler Szenen im ersten Viertel noch für zu jung halte. Außerdem würde ich Eltern empfehlen, das Buch zusammen mit ihren Kindern zu lesen um sofort Fragen beantworten zu können und Hintergründe zu erklären. Die Geschichte liest sich durch die einfache, bildhafte und einfühlsame Sprache, sowie die relativ große Schrift sehr schnell, doch die Handlung lässt auch Erwachsene schon mal hart schlucken. Dass die Geschichte von der elfjährigen Liesl erzählt wird (die mir sehr schnell ans Herz gewachsen ist), macht sie noch eindringlicher und berührender. Schlagartig ist für Liesl und ihren kleinen Bruder Otto die Kindheit vorbei und sie müssen Verantwortung übernehmen, lügen, betteln, stehlen und Tiere töten, um zu überleben. Zudem sind sie ständig Gefahren ausgesetzt und müssen sich verstecken. Doch die Hoffnung, dass ihre Mutter sie findet, bleibt. Immer wieder treffen sie auf russische Soldaten oder andere „Wolfskinder“. Sie spielen mit den Kindern, helfen einander und können zeitweise auch wieder unbeschwerte Momente erleben. Auch von einigen Soldaten erfahren sie Güte und Meschlichkeit. Diese Passagen lockern die Geschichte auf und machen sie nicht allzu bedrückend. Fazit: Eine eindringliche und berührende Geschichte, die ich nicht nur Kindern und Jugendlichen ans Herz legen möchte, sondern auch Erwachsenen!
  • Von: Jana Jordan

    Ostpreußen im Dezember 1944: Auf der Flucht vor der heranrückenden Roten Armee werden die 11jährige Liesl und ihre kleineren Geschwister vom Rest der Familie getrennt. Otto ist gerade 7 Jahre alt, Mia noch nicht einmal 2. Liesl muss Verantwortung übernehmen, dabei ist sie selbst noch ein Kind. Die Geschwister finden Unterschlupf in verlassenen Wohnhäusern, in Ställen, finden an manchen Orten Nahrung und wenigstens ein bisschen Sicherheit. Begegnungen mir russischen Soldaten und anderen auf sich allein gestellten Kindern bleiben nicht aus. Sie lernen zu betteln und zu stehlen. Sie haben nur ein Ziel – gemeinsam überleben. Das hatte Liesl ihrer Mutter versprochen. Katrina Nannestad erzählt von der Flucht der Menschen aus Ostpreußen. Ich erlebe die Ereignisse aus der Sicht von Liesl. Sie hatte eine sorgenfreie Kindheit in einer liebevollen Familie, ist mit der kriegsverherrlichenden Propaganda des Hitlerregimes aufgewachsen und glaubt an den ruhmreichen Sieg der deutschen Wehrmacht. Doch die glückliche Kindheit endet von einem Tag auf den anderen. Mitten im Winter und zwischen den Fronten auf sich allein gestellt, muss sich das Mädchen um ihre Geschwister kümmern. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Otto meistert sie immer wieder die große Herausforderung, genügend Nahrung zu finden und für Baby Mia zu sorgen. Der Autorin gelingt die kindliche Perspektive, geprägt von Emotionen und Vertrauen in die Erwachsenen. Sie zeigt, wie der Glaube zu bröckeln beginnt, als Liesl erkennen muss, dass auch die Eltern geheuchelt haben. Sie lernt, die Gründe zu verstehen. Gewissheiten über gut und böse werden untergraben durch die Hilfe und Freundschaft, die den Kindern von russischen Soldaten entgegengebracht wird und zudem durch deren Erzählungen über die Gräueltaten der Wehrmacht. Katrina Nannestad beschreibt, wie schnell Werte aufweichen und Regeln hinfällig werden, sobald Menschen sich in Ausnahmesituationen befinden. Liesl ist erschüttert, als die Mutter auf der Flucht eine trockene Decke aus einem liegengebliebenen Wagen nimmt, also stiehlt. Später stiehlt sie selbst, um nicht verhungern zu müssen. Sie erkennt, dass es manchmal nötig ist, wild zu sein wie Wölfe. Die in Australien lebende Autorin hat es verstanden, die Schrecken von Krieg und Flucht in kinder- bzw. jugendgemäße Bilder zu kleiden. Sie beschönigt dabei nicht und erzählt realistisch über die Bedingungen, mit denen die Kinder klarkommen mussten, beispielsweise über die Angriffe russischer Truppen auf die Flüchtenden bei der Überquerung des Frischen Haffs oder die verlassenen, zerstörten oder geplünderten Dörfer. Die kindlich naive Sicht von Liesl ermöglicht jungen Lesern einen Zugang zu dieser Zeit, und auch Erwachsene können in eine gleichermaßen spannende und berührend geschriebene Geschichte eintauchen. Für mich ein sehr lesenswertes Buch.
  • Von: welt_erlesen

    'Ich weiß nur, dass Krieg keinen Sinn ergibt. Im Krieg tun Menschen Dinge, die sie niemals tun würden, wenn sie zu Hause bei ihren Familien wären." Liesl und ihre Familie leben in Ostpreußen. Zuerst ist der Krieg weit weg und sie freuen sich über die guten Nachrichten des siegreichen Deutschlands. Doch bald beginnen die Zweifler immer lauter zu werden. Als Lisls ausgemusteter Vater und weitere zuerst kriegsuntaugliche Männer einberufen werden, fragt sich auch Liesl, wieviel von den Geschichten der Erwachsenen stimmt. Ganz bald muss die Familie vor den heranrückenden Russen fliehen. Zuerst gehen die Großeltern verloren ... und dann werden die drei Kinder von der Mutter getrennt. Zu dritt ziehen sie nun durch kriegszerfurchte Gegenden, fallen in die Hände der Feinde, die auch zu Freunden werden können, harren in Wäldern aus und versuchen, Barmherzigkeit in einer unbarmherzigen Zeit zu finden. WIR SIND WÖLFE erzählt von den jüngsten Opfern von Kriegen: Kindern. Kinder, die ihre Eltern verloren haben und von jetzt auf gleich ganz allein in einer feindlichen Welt überleben - und aufwachsen - müssen. Katrina Nannestad hat eine sehr beeindruckende und menschliche Geschichte über eine grausame Zeit geschrieben. Sehr gut kann sie vielschichtigen Emotionen, Meinungen und Handlungen auch den jungen Leser*innen nahebringen: die erste Kriegsfreude und dann das Gefühl belogen worden zu sein; immer gut zu handeln, um dann zum Überleben stehlen zu müssen; die verwüstenden und mordenden Russen, und die lustigen, liebevollen und helfenden Freunde. WIR SIND WÖLFE erzählt sehr kindgerecht von wirklichen Schicksalen der ca 25 000 elternlosen Kinder nach 1945 in der Gegend um Ostpreußen und Litauen. Es ist ein Kinderbuch über Krieg und den Kampf ums Überleben, über Familie, Identität und den immerwährenden Trost durch Freundschaft. Mit sehr berührenden Illustrationen von Martina Heiduczek und übersetzt von Vettina Obrecht. Für Kinder ab 10 Jahren.
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