Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro

Kazuo Ishiguro Klara und die Sonne

Ishiguro zeigt die Abgründe unserer Gesellschaft durch die Augen einer künstlichen Intelligenz

Klara ist ein Artificial Friend, eine künstliche Intelligenz, die dafür entwickelt wurde, Jugendlichen eine Gefährtin zu sein auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Von ihrem Platz im Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts aus beobachtet sie ganz genau, was draußen vor sich geht, studiert das Verhalten der Kundinnen und Kunden und hofft darauf, bald von einem jungen Menschen als neue Freundin ausgewählt zu werden. Als sich ihr Wunsch endlich erfüllt und ein Mädchen sie mit nach Hause nimmt, muss sie jedoch bald feststellen, dass sie auf die Versprechen von Menschen nicht allzu viel geben sollte.

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Vanessa

    In Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro geht es um die KF (Künstliche Freundin) Klara. Klaras Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sich eine Jugendliche mit ihr weniger einsam fühlt. Klara lebt am Anfang des Romans mit vielen anderen KFs gemeinsam in einem Geschäft. Durch das Schaufenster können die KFs die Menschen draußen beobachten. Während Klara eine sehr gute Beobachtungsgabe hat und schnell ihre Schlüsse zieht, erkennt Rosa, ihre beste Freundin, nicht so viel. Einmal sitzen Klara und Rosa direkt im Schaufenster und beobachten zwei Männer, die sich prügeln. Rosa ist der festen Überzeugung, dass die beiden Männer ein Spiel gespielt haben, dass ihnen und den anderen Anwesenden gefallen hat; Klara hingegen ist erschüttert wieso Menschen sich verletzten möchte. Weiterhin beobachtet Klara auch seltsames Verhalten im Laden selbst: Nachdem neue Modelle im Geschäft eingetroffen sind, beobachtet Klara wie die neuen Modelle von den älteren abrücken, obwohl diese älteren Modelle sehr nett zu den neuen sind. Die neuen Modelle lachen immer wieder über die älteren. Sie versteht dieses missgünstige Verhalten nicht und fragt sich wie diese neuen KFs denn auf diese Weise vernünftig für ihre Jugendlichen da sein sollen. Als Klara Josie kennenlernt, verspricht Josie ihr, dass sie sie bald kaufen wird. Nachdem Klara den Kauf durch ein anderes Mädchen abgelehnt hat, ist die Managerin des Geschäfts skeptisch, denn sie weiß, dass KFs häufig Versprechungen von Kindern erhalten, die diese dann aber nicht einhalten. Entweder sie kommen überhaupt nicht wieder oder sie kommen wieder und kaufen einen anderen KF. Klara fristet ihr Dasein weiterhin im Laden und wird letztendlich in die hinterste Ecke des Ladens gestellt. Dort ist sie nur für Käufer zu sehen, wenn diese sehr weit ins Geschäft kommen und sich genau umsehen; ihre Verkaufschancen sinken also. Josie kommt vorbei und möchte Klara immer noch kaufen. Ihre Mutter ist, nach anfänglicher Skepsis, doch überzeugt und kauft Klara. Nach anfänglichen Missverständnissen – Klara hält die Haushälterin für eine Managerin, die sie anleiten soll und läuft ihr immer hinterher – lebt sich Klara gut ein. Josie lebt sehr weit außerhalb der Stadt. In der Nähe gibt es nur noch ein weiteres Haus der Nachbarn. Dort wohnt ebenfalls eine alleinerziehende Mutter, Miss Helene, mit ihrem Kind, Rick. Klara hat also einen sehr engen Kontakt zu Josies Mutter, Josie, Miss Helene, Rick und der Haushälterin. Da Josie viel Zeit Zuhause, bei ihrem privaten, digitalen Unterricht verbringt, kriegt Klara wenig von der Menschenwelt mit. Dennoch kriegt sie an der ein oder anderen Stelle etwas von der Außenwelt mit. Einmal lädt Josie einige gleichaltrige Mädchen und Jungen zu einem Interaktionstreffen ein. Das muss sie aus gesellschaftlichen Gründen tun, allerdings wird nicht so genau klar, woher diese Vorgabe kommt; nur, dass Josie das Treffen eigentlich nicht veranstalten möchte und die Jugendlichen sich auch ziemlich unmöglich verhalten. Ein anderes Mal wollen Josie, ihre Mutter, die Haushälterin und Klara gemeinsam zu einem nahegelegenen Wasserfall fahren. Alle freuen sich tagelang auf den Ausflug bis die Mutter diesen kurzfristig absagt, da sie merkt, dass Josie krank ist. Die Mutter fährt alleine mit Klara und bittet diese beim Wasserfall Josie zu sein, was Klara tut. Klara merkt, dass es Josie teilweise sehr schlecht geht und so vereinbart sie etwas mit der Sonne, die sie für eine Art Göttin hält: Wenn sie die Maschine, die sie vom Laden aus gesehen hat und die eine große Umweltbelastung ausstößt, zerstört, dann bittet sie die Sonne im Gegenzug Klara mit ihrer heilenden Kraft zu heilen genau so wie sie es bei Bettelmann und dessen Hund während ihrer Zeit im Laden gesehen hat. Als Klara zusammen mit Josie, ihrer Mutter, Josies Vater, Miss Helene und Rick in der Stadt ist, schafft Klara es gemeinsam mit dem Vater die Maschine zu zerstören, allerdings schickt die Sonne nicht sofort Hilfe. Ricks Treffen mit jemandem, der ihm helfen soll aufs College zu kommen, verläuft schlechter als erhofft, aber Rick möchte von dem Mann auch gar keine Hilfe mehr, da dieser seine Mutter niedermacht. Weiterhin lernt Klara Mr. Capaldi kennen. Dieser soll ein Gemälde von Josie anfertigen, doch wie sich herausstellt, handelt es sich dabei gar nicht um ein einfaches Gemälde, sondern um eine Art KF, die die Tochter nach deren Tod ersetzen soll. Josies Mutter würde es nicht ertragen nach ihrer ältesten Tochter noch eine zweite Tochter zu verlieren und so plant sie einen Ersatz für den Fall, dass Josies Krankheit zum Tod führt. In der Folge stellt die Mutter Klara die Frage, ob sie sich vorstellen kann, Josie zu werden und Klara antwortet, dass sie das gerne tun wird, wenn es die einzige Möglichkeit ist, Josie zu helfen, doch sie hofft, dass es noch eine andere gibt und denkt dabei an ihr Abkommen mit der Sonne. Josie wird in den folgenden Wochen immer schwächer und der Arzt kommt häufig, die Mutter verbringt viel Zeit Zuhause und wacht gemeinsam mit der Haushälterin und Rick immer wieder am Bett ihrer Tochter. Den Roman Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro habe ich als Hörbuch gehört, deshalb werde ich etwas zum Inhalt und auch zum Medium schreiben. Die Handlung hat mir sehr gut gefallen. Wenngleich zeitweilig nicht so wahnsinnig viel passiert, weil sich der größte Teil der Handlung im Haus abspielt, mochte ich diese ganz gerne. Die Charaktere haben mir auch ganz gut gefallen. Josies Mutter fand ich aber Anfang etwa seltsam, aber sie hat sich für mich positiv entwickelt und ich mochte sie dann eigentlich ganz gerne, sobald man sie besser kennenlernt und ihre Gefühle begreift. Josie mochte ich am Anfang, doch sie wurde mir in den folgenden Jahren unsympathischer. Sie behandelt Klara zwischenzeitlich nicht so sonderlich gut und auch Rick wird von ihr häufig von oben herab behandelt. Rick und Miss Helene sind schwieriger einzuschätzen. Auf der einen Seite tat mir Rick häufig leid. Er tut viel für Josie und seine Mutter, aber er wird von beiden häufig nicht so liebevoll behandelt. Miss Helenes Charakter ist schwer zu durchschauen. Sie wirkt sozial sehr tollpatschig und scheint ständig in irgendwelche Fettnäpfchen zu tappen. Klara war mir mit Abstand am sympathischsten. Sie ist eine kluge, neugierige und fürsorgliche KF und versucht so gut sie kann für Josie da zu sein. Sie stellt ihre Rolle im Haushalt zwar nicht wirklich in Frage und kommt allen Aufforderungen nach, so wie sich das für eine gute KF gehört, doch sie denkt auch eigenständig und löst sich so in gewisser Weise auch von Josie. Die Gesellschaftsordnung im Roman blieb für mich die ganze Zeit über etwas abstrakt, weil Klara – dazu komme ich gleich noch – natürlich nicht versteht wie genau die Menschen ihre Leben organisieren und deshalb wenig dazu berichtet. Wie wir das aus der aktuellen Lage kennen, scheint dort häufig Distanzunterricht gemacht zu werden. Josie geht offenbar in eine Klasse, in der die Kinder alle digitalen Unterricht haben. Um dennoch für das College und die Interaktion mit Gleichaltrigen gewappnet zu sein, nimmt sie an so genannten Interaktionstreffen teil. Offenbar teilt sich die Gesellschaft in zwei Klassen: Die Gehobenen und die, die nicht gehoben wurden. Was man tun muss um gehoben zu werden, bleibt unklar, aber offenbar ist es mit irgendwelchen Risiken verbunden, denn die Krankheit von Josie scheint mit diesem Gehobensein zusammen zu hängen. Ich fand es sehr schade, dass man nicht mehr über die Gesellschaft und das Schulsystem dort erfährt, wobei man über den Roman hinweg natürlich hier und da mal ein paar Details erhält, aber so der große Zusammenhang fehlte mir und ich hätte mir auch noch einige Details mehr gewünscht. Klara ist die Erzählerin des Romans und obwohl das natürlich Sinn ergibt, macht es den Roman alleine deshalb schon total spannend. Klara kann die menschlichen Belange, Beziehungen, Gefühle, Tagesabläufe und Handlungen zwar beobachten – und sie ist eine wirklich gute Beobachterin, weil sie so neugierig und klug ist – aber ihre Erzählung hat doch einige Lücken. Sie versteht manche Dinge schlichtweg nicht und kann für anderes keine Gründe angeben. Sie ist also eine ziemlich unzuverlässige Erzählerin, aber eben nicht aus Absicht. Gerade das finde ich an der Erzählform so spannend. Wie sieht jemand, der die Welt nicht versteht, sondern aus ihr herausgehoben ist, unsere Welt und unsere Gesellschaft? Hier fand ich ein bisschen schade, dass es sich um eine zukünftige Welt handelt, in der der Roman spielt. Das sorgt dann dafür, dass man keinen Außenblick auf unsere aktuelle Gesellschaft erhält, was ich schade fand, weil ich es mir erhofft hatte. Als ich mich aber daran gewöhnt hatte, dass meine Hoffnungen nicht erfüllt werden, hat mir der Roman dennoch gut gefallen, weil natürlich auch in dieser Welt eine Außensicht auf die Gesellschaft spannend ist. Besonders spannend sind an diesem Roman natürlich die Hauptfragen: Kann eine KF ein Mensch werden? Ist sie dazu in der Lage einen Menschen so gut zu lernen, dass sie ihn so gut imitieren kann, dass kein Unterschied zwischen KF und Mensch erkennbar ist? Gibt es eine Seele, die nicht erlernbar ist? Oder steckt unsere Seele vielleicht nicht in uns selbst, sondern in den Menschen um uns herum? Was macht uns, unseren Kern aus? Ist der irgendwo physisch in uns und kann erkannt, gemessen, festgestellt werden? Oder ist das, was uns zu uns selbst macht, etwas nicht Greifbares? All diesen Fragen geht Ishiguro in Klara und die Sonne nach. Und diese Fragen regen toll zum Nachdenken an und haben mich tief beeindruckt, denn Mr Capaldi geht davon aus und kann das auch beweisen, dass nichts in einem Menschen ist, was ein KF nicht nachempfinden und lernen könnte. Doch gegen diese These wehrt sich natürlich etwas in uns. Irgendetwas muss da doch sein, das uns einzigartig macht? Oder müsste eine Maschine nur komplex genug „denken“ können, um alle möglichen Entscheidungsmatrizes eines Menschen durchrechnen und so letztendlich doch so entscheiden zu können wie ein Mensch? Davon unabhängig: Ist die Entscheidung möglicherweise das, was einen Mensch zu einem Mensch macht? Also die Fähigkeit Entscheidungen wissentlich zu treffen? Bei dieser Überlegung hatte ich noch einen interessanten Eindruck vom Roman: Josie darf keine eigenen Entscheidungen treffen oder fast gar nicht. Die Gesellschaft, ihre Mutter, die Haushälterin entscheiden für sie. Erst nach und nach löst sich Josie davon und trifft ihre eigenen Entscheidungen. Auch Klara darf eigentlich nicht selbst entscheiden, sondern muss machen, was man ihr aufträgt. Manchmal muss sie die Entscheidung treffen, ob ein Mensch in einer Aussage eine implizite Aufforderung verpackt hat, aber diese Art der Entscheidung ist die größte Entscheidung, die sie treffen muss. Auch dieser Aspekt regt zum Nachdenken an und könnte sicher diskutiert werden. Dieser gesamte Ideenkomplex hat mir gut gefallen. Das Hörbuch selbst habe ich als physisches Hörbuch erhalten. In der quadratischen Box waren die CDs in Hüllen eingelegt. Die Box selbst sieht ein bisschen aus wie die Box eines Spiels, solch eine Art der Verpackung habe ich bisher noch nie gesehen, gefiel mir aber ausgesprochen gut. Bei dem Hörbuch handelt es sich um die ungekürzte Version, die von Johanna Wokalek gelesen wurde. Ich habe ein bisschen gebraucht, mich an die Stimme zu gewöhnen, aber am Ende hat sie doch ganz gut zur Klara gepasst, wobei sie mir persönlich etwas zu rau war. Dennoch hat die Stimme gut zu Klaras Charakter und zur Stimmung im Buch gepasst. Ich würde das Buch nicht ausschließlich aufgrund der Sprecherin empfehlen, aber würde es auch nicht nicht empfehlen ihretwegen. Alles in allem hat mir Klara und die Sonne von Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro sehr gut gefallen. Man kann über die zuvor genannten Fragen sicherlich ausführlich diskutieren, sodass ich der Roman auch für das Lesen im Lesekreis oder ähnlichem anbietet. Trotz der vielen wichtigen Fragen fand ich den Roman leicht verständlich und ich werde auf jeden Fall mal wieder zu einem Ishiguro greifen.
  • Von: Silke Schröder, hallo-buch.de

    In seinem neuen Roman “Klara und die Sonne” zeichnet Kazuo Ishiguro eine Welt, in der sich hochentwickelte künstliche Intelligenzen um einsame Jugendliche kümmern, in der gute Bildung fast unerschwinglich teuer geworden ist und Kinder je nach Wunsch und Geldbeutel genetisch verbessert werden. Aus der Sicht der Ich-Erzählerin Klara stellt sich diese Welt vor allem als Ort der Nicht-Kommunikation und der mangelnden Sozialkompetenz bei den Jungmenschen dar – kein Wunder, wenn Schulunterricht, Kontakte mit Gleichaltrigen und Zuwendung der Eltern fast nur noch online stattfinden. An manchen Stellen etwas sehr schwülstig und melodramatisch-philosophierend erzählt, ist “Klara und die Sonne” dennoch ein starkes Plädoyer für mehr Menschlichkeit im Miteinander. Dass die scheinbar nur noch durch künstliche Intelligenzen vermittelt werden kann, ist Kazuo Ishiguros bitterböse Pointe.
  • Von: Petras Bücher-Apotheke

    Klara genoss die Aussicht aus dem Fenster auf die Welt davor und auf die Kinder, die sich Nase und Hände daran plattdrückten. Kinder, deren Eltern sich eine KF als Spielgefährten für sie leisten konnten mit leuchtenden Augen, und die anderen, die mit den traurigen Augen. Klara war eine solche KF, eine künstliche Freundin, und an dem Tag, an dem Josie vor dem Schaufenster stand wusste Klara , es konnte für sie nur einen Besitzer geben. Sie gehörte zu Josie, die das offenbar genauso so sah, nur ihre Mutter war da anderer Meinung. Für ihre Tochter sollte es das neueste Modell sein und Klara gehörte noch zu einer alten KI-Baureihe. Allerdings zu einer, so versicherte die beflissene Ladenmanagerin, die noch Empathie so "gelernt" hätte, wie keine andere Serie danach, was sie zur perfekten Gefährtin mache ... Kazuo Ishiguro hat es wieder getan. Mich begeistert. Das, was man von ihm kennt, einen nachdenklichen, melancholischen Grundton und das Entdecken von jeder Menge Zwischentönen, das Aufwerfen von Fragen Moral und Ethik betreffend, das darf man auch hier erwarten. Beinahe ehrfürchtig verneige ich mich davor, wie es ihm gelingt seine KI Klara so zu zeichnen, dass man sie tatsächlich wie einen Menschen ins Herz schließt. Ähnlich wie schon seinen alternden Butler in "Was vom Tage übrig blieb", lässt er sie hier auf ihr Umfeld schauen. Wir stehen dabei ganz dicht bei ihr. Sie erzählt und ja, empfindet auch. Dabei wird genauestens beobachtet und die Frage, wie nah uns eine künstliche Intelligenz kommen, uns, unser Verhalten verändern kann wird beleuchtet. Von Herz zu Herz, Mensch zu Mensch und von Mensch zu Maschine. Freundschaft und Bindung auf dem Weg vom Kind zur Erwachsenen sind die Themen dieser Geschichte. Dabei lerne ich eine Mutter kennen, die ein Kind verloren und die die Trennung von ihrem Lebenspartner durchgemacht hat, die einen Plan fasst, der ungeheuerlich ist und die Sonne, als Hoffnungsspender und Energiequelle gibt ein Versprechen ... Teils nüchtern, teils mit viel Mitgefühl schaut Ishiguro auf "seine" KIs oder KFs wie er sie nennt. Als hätten sie eine Seele beinahe, das lässt bei mir eine Art "Westworld-Feeling" aufkommen und dann auch wieder nicht. Denn hier agieren die KIs nicht in einem abgegrenzten Raum, in einem Freizeitpark, sie sind unter den Menschen, werden wie ein selbstverständlicher Teil des Zusammenlebens akzeptiert, aber bei weitem nicht von allen geliebt. Wer glauben kann, der findet Trost. Klara glaubt an die Sonne, so wie wir an einen Gott, an eine unsichtbare allgegenwärtige, ordnende und heilende Kraft. Die Mut macht, Halt und Hoffnung gibt. Diesen Gedanken, den Ishiguro da aufnimmt, fand ich grandios. Seine künstliche Intelligenz ist kein seelenloses Ding, was seine Idee mindestens so faszinierend wie erschreckend macht. Und ja, beim Erwachsenwerden, braucht es Unterstützung, denn zum Wachsen, ist mehr von Nöten als Nahrung und Wasser. Es braucht Gefährten, Mentoren und liebevolle Begleitung und alles hat auch seine Zeit. Die Spielzeuge unserer Kindheit verlieren irgendwann an Bedeutung, Freunde bleiben zurück, aber an sie als unsere Wegbegleiter werden wir uns immer erinnern und so macht mich diese Geschichte von Klara am Ende auch etwas traurig, und wie bei einer Ballade von Adele hänge ich dem letzten Ton noch etwas nach ... Last but not least ist diese Hörbuch-Fassung Dank einer großartigen Frau Wokalek so eindringlich geworden, das ich sie sehr gefeiert habe. Ihre Zurückhaltung und besonders die leisen Töne trifft sie so, das es für mich die reine Hör-Wonne gewesen ist: Johanna Wokalek. Im Hörbuch bin ich ihr zuletzt in Isabel Bogdans Roman "Laufen" begegnet und auch wegen ihrer Art zu lesen war ich, bin ich, davon nachhaltig beeindruckt. Für Ishiguros vorliegenden Text ist sie eine Idealbesetzung, sie schafft es ihn durch ihre Ruhe und ungeheuere Einfühlsamkeit zu potenzieren. Ihre Stimme kriecht förmlich in mich hinein, hallt in mir nach. Ist kühl und technisch, wenn sie Klara spricht, aber auch warmherzig und ganz leicht pointiert sie die manchmal auch vorlaute Josie. Sie ruft eine stimmlich eine darstellende Bandbreite ab, ohne sich zu verstellen, die mich stehend applaudieren lässt. Gerne bald mehr von Ihnen, liebe Frau Wokalek!
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