Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne von Saša Stanišić

Saša Stanišić Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne

Nach »Herkunft« endlich neue Erzählungen des SPIEGEL-Bestsellerautors und Deutschen Buchpreisträgers

Was wäre, wenn man nicht diese eine Entscheidung getroffen hätte, sondern diese ganz andere? Was wäre, hätte man der Erwartung getrotzt? Und: Wäre es nicht schön, könnte man ein Leben probeweise erfahren, bevor man es wirklich lebt?

Manchmal fürchten wir uns, feige gewesen zu sein, zu lange gezögert und etwas verpasst zu haben, das uns ein besseres Ich beschert hätte, ein größeres Glück und die besser aussehenden und lustigeren Haustiere und Partner. Die neuen Erzählungen von Saša Stanišić widmen sich diesem permanenten Grübeln an den Kreuzwegen unserer Biografie, an denen man doch auch einmal einen überraschenderen Weg hätte gehen, eine unübliche Wahl hätte treffen oder eine Lüge hätte aussprechen können. So wie die Reinigungskraft, die beschließt, mit einer Bürste aus Ziegenhaar in der Hand, endlich auch das Leben in die eigenen Hände zu nehmen. So wie der deutsch-bosnische Schriftsteller, der zum ersten Mal nach Helgoland reist, nur um dort festzustellen, dass er schon einmal auf Helgoland gewesen ist. So wie der Vater, der bereit ist zu betrügen, um endlich gegen den achtjährigen Sohn im Memory zu gewinnen ...

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Elke Heid-Paulus

    Zwölf Erzählungen, wobei die Bitte des mehrfach für seine Romane ausgezeichneten Autors, diese nacheinander zu lesen, vermuten lässt, dass es Zusammenhänge zwischen den Inhalten gibt. Also doch ein Roman? Ich neige dazu, diese Frage mit Ja zu beantworten, zeigen sich doch im Verlauf immer wieder die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Menschen, von denen Sasa Stanisic uns hier erzählt, wobei „Neue Heimat“, die erste Geschichte, die Klammer ist, die alles zusammenhält. Sommer 1994, eine Clique von vier Jugendlichen. Alle haben einen Migrationshintergrund, leben in prekären Verhältnissen und wünschen sich ein Leben, das besser als ihr gegenwärtiges ist, aber unerreichbar scheint. Sie fühlen sich fremd, chancenlos, aber noch haben sie ihre Träume. Fatihs Idee von einem Proberaum, in dem man die Zukunft testen kann, findet Anklang. Das Einloggen, kostet 130 DM, aber möchte man das Gesehene leben, wird ein sechsstelliger Betrag fällig. Natürlich geht es um die großen Themen, die zentralen Fragen der menschlichen Existenz, die immer wieder in Stanisics Werken eine Rolle spielen: Migration, Herkunft, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Chancen und verpasste Gelegenheiten. Gewissheiten und Zweifel. Dem Streben nach Glück und der Sehnsucht nach einem lebenswerten Leben. Und natürlich beschreibt er diese sprachlich brillant, angereichert mit einer Prise Humor und den passenden Dosen Sensibilität und Melancholie. Keine Frage, das ist gelungen, aber dennoch fehlt mir etwas. Die Texte bewegen sich zwar souverän auf dem Terrain, das wir von ihm kennen, legen aber mehr Wert auf sprachliche Brillanz, Querverweise und humoristische Einlagen, als auf Tiefe. Sie bleiben nicht haften, rufen nicht die gleichen Emotionen wie die Vorgänger ab. Ist zwar Jammern auf hohem Niveau, aber trotzdem schade.
  • Von: Steffi

    Saša Stanišićs neuer Roman mit dem genialen Titel "Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne" besteht aus zwölf Erzählungen, die locker miteinander verbunden sind und sich einer zentralen Frage widmen: Was wäre, wenn man wichtige Entscheidungen anders getroffen hätte? Wie würde das eigene Leben dann heute aussehen? Wäre man glücklich? Stanišićs Erzählweise wird von mehreren Aspekten geprägt: Zum einen von seinem Talent, mit der deutschen Sprache zu jonglieren, ohne dass dies zulasten der Lesbarkeit und des Unterhaltungswerts geht. Es ist mir im Gegenteil stets eine wahre Freude, seine außergewöhnlichen Satzkonstrukte zu lesen. Die Geschichten sind oft mit einem Hauch von Melancholie angereichert, die jedoch durch den spielerischen und zuweilen ironischen Sprachstil aufgelockert wird. Zudem sind seine Texte von seinem feinen, trockenen Humor durchzogen und werden von liebenswerten Figuren und ihren inneren Konflikten bevölkert. Das zentrale Motiv dieser Kurzgeschichtensammlung, die Sehnsucht nach ungelebten Leben und die Frage, was man möglicherweise verpasst hat, beleuchtet Stanišić auf vielfältige Weise und regt so zum Nachdenken an. Sei es durch den frustrierten Vater, der stets gegen seinen achtjährigen Sohn im Memory verliert oder durch die einsame Rentnerin Gisela, die außer dem Besuch des Grabes ihres Mannes nur noch wenige Verpflichtungen hat oder die Migrantin, die einer egozentrischen Frau die Wohnung putzt und an ihre Kindheit zurück denkt. "Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne" überzeugt vor allem durch das sprachliche Geschick des Autors, durch seine Kompetenz, selbst kurzen Geschichten Tiefe und Bedeutung zu verleihen und seine Fähigkeit diese einzelnen Geschichten durch ein zentrales Thema gekonnt miteinander zu verbinden. Ganz große Leseempfehlung!
  • Von: Martina

    Als großer Fan von Saša Stanišić kann ich sein neues Buch nur jedem ans Herz legen. Was mich an Stanišićs Schreiben besonders fasziniert, ist seine Fähigkeit, gehaltvolle Themen mit einer Mischung aus Leichtigkeit, Humor und ernster Reflexion zu verbinden. Seine Figuren sind so authentisch und lebendig, dass man das Gefühl hat, sie persönlich zu kennen. Stanišićs Sprache ist elegant und kraftvoll, und er schafft es, die alltäglichen Kämpfe und Träume seiner Protagonisten in einer Weise darzustellen, die sowohl berührt als auch zum Nachdenken anregt. Saša Stanišićs „Möchte die Witwe angesprochen werden …“ ist ein meisterhaft komponierter Erzählband. Stanišić erweist sich einmal mehr als einfühlsamer Chronist unserer Zeit. Er entfaltet seine Geschichten wie ein kunstvolles Mosaik, das die großen Themen Herkunft, Identität und Zugehörigkeit in den Mittelpunkt rückt. Die erste Geschichte versetzt uns in den Sommer 1994, wo vier Freunde, die sich selbst als „Ausländerjungs in Deutschland“ bezeichnen, in den Weinbergen Heidelbergs träumen und philosophieren. Fatih, einer von ihnen, entwickelt die revolutionäre Idee eines „Proberaums fürs Leben“, in dem man zehn Minuten seiner Zukunft ausprobieren kann. Stanišić gelingt es, diese Mischung aus Science-Fiction und existenzieller Philosophie mit einer solchen Leichtigkeit und Tiefe zu erzählen, dass der Leser unweigerlich in den Bann gezogen wird. Stanišićs Stärke liegt darin, uns an das Gute im Menschen glauben zu lassen, ohne die Härten des Lebens zu verschweigen. Seine Protagonisten, zumeist Menschen mit Migrationshintergrund, entwerfen sich bessere Zukünfte, um die sie qua Herkunft oft betrogen werden. Mit scharfem Blick und viel Empathie schildert Stanišić ihre Kämpfe und Träume. Stanisic Erzählstil in den zwölf Geschichten ist spielerisch. Das Buch ist nicht nur eine Sammlung fiktiver Lebensmodelle, sondern auch eine Reflexion über den eigenen Weg des Autors zur Schriftstellerei. Stanišić verbindet Fakt und Fiktion, Realität und Fantasie auf kunstvolle Weise und schafft so ein literarisches Universum, das den Leser tief bewegt und zum Nachdenken anregt. Die Geschichten sind eng miteinander verwoben und reichen von der Insel Helgoland bis hin zu den unendlichen Möglichkeiten des Erzählens. Besonders die titelgebende Geschichte um eine Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes wieder bereit für eine neue Liebe ist, zeigt Stanišićs Talent, tiefe menschliche Emotionen einzufangen. Die Geschichten, die von vier Migrantenjungs in Heidelberg ausgehen, erstrecken sich über verschiedene Lebenswirklichkeiten und bieten immer wieder neue Perspektiven Stanišić schreibt mit einer Mischung aus Witz und literarischer Courage, eine Erzählstruktur, die Vergangenheit und Zukunft, Fakt und Fiktion miteinander verwebt. Mit „Möchte die Witwe angesprochen werden …“ beweist Stanišić einmal mehr seine außergewöhnliche Fähigkeit, tiefgründige Themen mit Leichtigkeit und Humor zu verbinden. Seine Geschichten sind ein Spiegel unserer Gesellschaft, die uns zum Nachdenken und Träumen einladen. Stanišićs Sprache ist elegant und kraftvoll, seine Figuren sind lebendig und berührend. Er versteht es wie kaum ein anderer, das Menschliche in all seinen Facetten darzustellen und dabei stets authentisch und nahbar zu bleiben.
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