Über Menschen von Juli Zeh

Juli Zeh Über Menschen

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht.

Juli Zehs neuer Roman erzählt von unserer unmittelbaren Gegenwart, von unseren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten, und er erzählt von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein.

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Tessas Buchwelt

    So viel Gutes habe ich schon von diesem Buch gehört, dass es nun endlich Zeit wurde, sich selbst eine Meinung zu bilden. Und ich kann nur sagen, es hat sich gelohnt! Da die Geschichte im Jahr 2020 spielt, kann sich sicher jede*r Leser*in in diese Zeit zurückversetzen. Viele Menschen hatten plötzlich unheimlich viel Zeit, um sich den eigenen Gedanken über die neue „Situation“, die Probleme der Welt oder schlicht um die Sorgen über ihre eigene Zukunft hinzugeben und so sind die Gedanken, die sich die Protagonistin macht, nicht nur nahezu tagaktuell, sondern auch authentisch und real. Klimakrise, Rassismus, Corona. Wer ist im Recht und wer nicht? Was ist gut, was ist schlecht und sind die eigenen Probleme größer als die der anderen? Welche Ansicht ist die Richtige? Und bin ich besser als andere, weil ich einen bestimmten Standpunkt vertrete? Tiefgründig und nahezu philosophisch hält Juli Zeh unserer Gesellschaft den Spiegel vor und zwingt einen geradezu, über all diese Dinge nachzudenken. Mit einer gewissen Situationskomik musste ich das ein oder andere Mal wirklich schmunzeln und stelle dabei fest, wie wahr dieses Buch ist. Auch wenn die Geschichte tragisch endet, so wie das Leben nun eben manchmal ist, wird aber trotzdem deutlich, dass man hin und wieder mal über seinen eigenen Schatten springen und über die eigenen Ansichten hinwegsehen sollte, um zu sehen, dass es am Ende um den Menschen geht. Die Geschichte über Menschen (oder über Übermenschen?) wird mir noch sehr lange im Kopf bleiben, da bin ich mir ganz sicher! Ein großartiges Buch was durch und durch eine Leseempfehlung verdient!
  • Von: Romina

    Autorin: Juli Zeh 412 zu lesende Seiten Roman Luchterhand Verlag Dies ist bereits mein zweites Buch der Autorin und war sehr gespannt, wie mir dieses gefallen wird. Darum geht es in dem Buch: Dora zieht mit ihrer Hündin "Jochen-der-Rochen" aufs Land nach Bracken. Dort trifft sie auf aussergewöhnliche Nachbarn. Zuerst hat sie viele Vorurteile gegenüber ihnen, doch sie merkt mit der Zeit, dass diese sich nicht bestätigen lassen. Dabei beschäftigen sie aktuelle Themen wie Corona oder "Black lives matter". Den Einstieg in die Geschichte viel mir etwas schwer, da die Autorin einen sehr speziellen Schreibstil hat. Nachdem ich mich aber daran gewöhnt habe, bin ich ziemlich gut voran gekommen. Auch wenn in der Geschichte eigentlich kein grosses Drama stattfand, wollte ich doch wissen wie es weiter geht mit Dora, Gote und Franzi. Natürlich war das Ende tragisch, es gab aber nicht dieses Hin und Her, wie es in vielen Büchern der Fall ist. Die Autorin schreibt nicht um den grossen Brei herum und trotzdem kann man sich die beschriebenen Szenen gut vorstellen. Die ganzen Vorurteile gegenüber Städtern und Landleuten konnten durch Figuren wie Dora oder Gote grösstenteils beseitigt werden. Bei Gote blieben mir am Ende aber immer noch ein paar Fragezeichen zurück. Auch wenn er am Ende von seiner Kindheit erzählt, blieb bei immer noch die Frage offen, warum er zu seinem Namen "Dorf-Nazi" genau gekommen ist. Dies könnte daran liegen, dass die ganze Geschichte nur von der Perspektive von Dora erzählt wurde. Einen Perspektivenwechsel hätte ich an dieser Stelle noch interessant gefunden. Auch um zu sehen, was in seinem Kopf für Gedanken umhergehen und wie seine Gefühle aussehen. Da ich sehr oft Bücher lesen mit einer Liebesgeschichte, war ich sehr überrascht, dass mir diese Geschichte trotzdem gefallen hat. Es gab zwar diese gewisse Vertrautheit zwischen Gote und Dora, doch diese war anders. Zusammen mit Franzi hatten sie so etwas wie eine Familie, auch wenn für nur eine ganz kurze Zeit. Das Buch behandelt sehr aktuelle Themen, unter anderem Corona, Rassismus oder Krieg. Diese werden gut in die Geschichte eingearbeitet und die damit zusammenhängenden Probleme zusammen anhand von den Charakteren aufgezeigt. Fazit: "Über Menschen" behandelt sehr aktuelle Themen und integriert diese gut in die Geschichte von Dora und ihren Nachbarn in Bracken.
  • Von: katrinb

    Dora lebt in privilegierten Verhältnissen und hat eigentlich alles, was sie sich wünschen könnte. Sie arbeitet in Berlin als Werbetexterin, als Corona über sie und die Welt hereinbricht. Ihre latente Unzufriedenheit und Unruhe bricht sich nun Bahn, sie hält die Großstadt und ihren Freund, einen hysterischen Klimaaktivisten, der nun zusätzlich zum Pandemie-Apokalyptiker geworden ist, nicht mehr aus und zieht mit ihrem kleinen Hund in ein verwahrlostes Haus in der brandenburgischen Provinz, wo sie hofft, zu sich zu kommen. Aber in Bracken ist die Welt alles andere als in Ordnung. Doras unmittelbarer Nachbar ist ein erklärter Nazi, weitere Anwohner entpuppen sich als AfD-Wähler. Dann ist da noch eine alleinerziehende, überforderte Mutter und ein vernachlässigtes Kind… Trotz ihrer Vorbehalte gelingt es Dora, sich letztendlich den Menschen anzunähern und ihnen über alle ideologischen Differenzen hinweg mit Verständnis und Menschlichkeit zu begegnen. Juli Zeh entwirft ein Bild der deutschen Gegenwart, das mir sehr vertraut ist. Ihre Beobachtungen sind treffend, oft witzig und sehr oft habe ich mich in ihrer Protagonistin wiedererkannt. Ihre Zweifel, Sorge und Ratlosigkeit angesichts einer plötzlich unsicher gewordenen Realität kann ich sehr gut nachvollziehen. Das Lebensgefühl in Deutschland angesichts der 2020/21 herrschenden Pandemie ist gut eingefangen, Probleme wie Klimawandel, Tristesse in der Provinz, Bildungsnotstand, Prekariat usw usw. werden angesprochen, es ist fast eine Art Tagebuch, in dem man später nachlesen kann, was 2020/21 deutsche Tagesaktualität war. "Über Menschen" liest sich sehr angenehm und flüssig, Juli Zeh schreibt unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich habe ich das Buch in nur zwei Tagen förmlich verschlungen, im Nachhinein hat es mich doch jedoch einigermaßen ratlos hinterlassen. Durch die unmittelbare Nähe zu ihrem Nazi-Nachbarn ist Dora gezwungen, sich ihm auseinanderzusetzen und im Laufe der Geschichte entwickelt sich eine Art von Freundschaft zwischen den beiden. Was will die Autorin damit sagen? Dass auch Rechtsradikale einen guten Kern haben und nette Menschen sein können, wenn man ihnen nur mit Verständnis begegnet? Dass sie nur Opfer der Umstände sind? Dass man ihnen von Mensch zu Mensch begegnen soll? Dass es nur kleinen Hund braucht, um verwahrloste Kinder wieder auf den rechten Weg zu bringen? Ich weiß ja nicht….. Das alles erscheint mir doch etwas platt. Die drei Sterne vergebe ich für die gelungene Schilderung meiner Gegenwart und dafür, dass ich mich gut unterhalten gefühlt habe. Das war’s dann aber auch.
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