Das Fischerhaus von Stein Torleif Bjella

Stein Torleif Bjella Das Fischerhaus

Der Überraschungserfolg aus Norwegen. Wann ist ein Mann ein Mann? Oder: Wie Fischen hilft, sich selbst zu finden. "Verdammt, dieser Achtzigjährige ist mein neuer Held … ein echtes Vergnügen, dieses Buch.“ Klassekampen

Zwei Männer am See, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine fast achtzig, redselig und direkt. Der andere sein Neffe, unschlüssig und als Musiker gescheitert. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Storsenn, um im Herbst angeln zu gehen. Ivar ist entschlossen, seinem tollpatschigen, aber nicht völlig hoffnungslosen Neffen alles beizubringen, was er wissen muss – über das Angeln, die Kunst und das Leben.

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Barbara

    Ich habe ständig einen anderen Titel im Kopf, wenn ich an das Buch denke. Kennt Ihr das? Dass ihr denkt, das Buch heißt ganz sicher so und so. Und dann seid ihr wieder überrascht, dass es ganz anders heißt. Naja – ganz anders nicht, aber ich denke immer wieder, Stein Torleif Bjellas Roman heißt „Das Steinhaus“. Fragt mich nicht warum. Ich kann es Euch wirklich nicht sagen. Ivar ist 80 und möchte seinen Nachlass regeln. Wichtig ist ihm, dass Haus am See weiterzugeben, das einst sein Großvater gebaut hat. Nur scheint es keinen wirklich geeigneten Nachkommen zu geben, dem er das Haus anvertrauen möchte. Da wäre nur Jon, Ende 40, Musiker, Aushilfslehrer – mit anderen Ansichten und der nichts mit die Fischerhaus anfangen kann. Ivar beschließt, Jon für eine Woche mit ins Fischerhaus zu nehmen, um ihm das Angeln beizubringen und ganz nebenbei eine neue Sicht auf die Welt, das Leben. Was Ivar nicht erwartet, ist, dass auch Jon ihm einen neuen Blick auf die Welt gewährt. Das 170 Seiten schmale Büchlein spielt im Herbst – und für mich ist es auch ein Herbstbuch. Es ist ruhig. Es ist irgendwie neblig. Und das meine ich durchaus positiv. Das Buch ist wie eine Art Pause vom Alltag, nicht nur, weil die beiden Männer dort für eine Woche abtauchen und aus der Zivilisation mehr oder minder verschwinden. Sondern auch, weil es eben so ruhig und herbstlich daher kommt.
  • Von: Kerstin aus Obernbeck

    Schon lange sind das Fischerhaus und die Fischereirechte am Storsenn-See im Familienbesitz und werden von dem 80jähringen Ivar Helgesson Aal verwaltet. Sein Großvater hat das Fischerhaus gebaut, Haus und See werden innerhalb der Familie weitergegeben. Nun wird ihm das Haus und das Fischen zu viel; es ist Zeit für die nächste Generation und so ist Ivar mit seinem Neffen Jon Aslesson Aal zum Herbstfischen am Storsenn. Jon ist nicht Ivars erste Wahl, zu viel stört ihn an dem Ende 40jährigen Aushilfslehrer und Musiker. Auch Jons Gefühle bezüglich der Übergabe sind eher durchwachsen. Als sein Onkel den einwöchigen Ausflug mit ihm vereinbarte, hat er geahnt, dass es um etwas Wichtiges gehen würde. Ivar präsentiert ihm unmittelbar nach der Ankunft das Schriftstück für die Übergabe und er reagiert zunächst ausweichend. Aber Ivar lässt nicht locker, er ist wild entschlossen Jon alles beizubringen, was er im Zusammenhang mit dem Haus und der Fischerei wissen muss. Er überreicht Jon ein Heft und fordert ihn auf, alle wichtigen Informationen zu notieren - und Ivar hat eine Menge Wissen und Weisheiten. „Wenn du ein guter Fischer sein willst, dann musst du denken wie ein Fisch.“ (S.9) Ivar erzählt vom See, vom Fischen und vom Leben, er macht kein Geheimnis daraus, dass er seinen Neffen für ziemlich lebensuntüchtig hält und Jon weiß nie genau, wie ihm sein Onkel begegnen wird. „Entwaffnend fröhlich oder bissig bitter? Was weiß ich.“ (S. 49) Ivar Sicht auf die Welt und Jons Weltanschauung sind sehr verschieden. Ivar, ehemaliger Frauenschwarm und Haudegen und Jon, der sowohl in der Liebe als auch beruflich bisher eher durchwachsen unterwegs ist, nähern sich nur zögerlich aneinander an. Stein Torleif Bejella erzählt eine Geschichte, die sich ruppig und rustikal liest, jedoch voller Liebe und Leben steckt. Jon war mir auf Anhieb sympathisch, mit Ivar habe ich mich erst anfreunden müssen; es war ein besonderes Lese-Erlebnis sie auf ihrem holprigen Weg zu begleiten. „Der Gedanke, dass ich selbst entscheide, macht mich glücklich. Dass ich, Jon Aslesson Aal, ganz alleine, selbstständig und auf eigene Faust verstanden habe, dass ich zufrieden sein sollte, um nicht unzufrieden sein zu müssen.“ (S.145/146) Ein wahrlich schöner Satz. Auf 170 Seiten erzählt Stein Torleif Bejella von Zufriedenheit, von den einfachen Dingen und von Familie. Beide Protagonisten kann ich mir gut vorstellen. Auch wenn ich mit Ivar einige Anlaufschwierigkeiten hatte, ist mir sein Charakter nicht fremd und sein Wunsch, Bestehendes zu erhalten, sehr gut nachvollziehbar. Jon erlebt, dass das, was ihm wichtig ist, für Ivar wenig Bedeutung hat und er schwankt zwischen dem Wunsch, für das was er ist und wie er lebt anerkannt zu werden, ebenso gern würde er dem Urteil eines Onkels jedoch auch gleichgültig gegenüberstehen. Und so ist das Miteinander der beiden am See ein ständiges Auf und Ab und es erscheint zunächst, dass die beiden sich auf dem Weg der Annäherung verlaufen haben, sich in einer Sackgasse befinden, es vielleicht letztlich aber nur ein Umweg ist. „Ich merke, dass ich gerne mehr über Fischerei und Seen hören möchte. Es genieße, Ivars Erzählungen zu lauschen, weil all dieses Wissen aus erster Hand stammt, und genau das macht dieses Wissen aus.“ (S. 83) Mir gefallen die Momente, wenn Ivar aus dem Leben erzählt und seinen Neffen auffordert „Darüber solltest du mal ein Lied schreiben, Jon“. Wunderbar. Lernt Ivar und Jon kennen, geht mit ihnen Fischen und erlebt 7 Tage am Storsenn-See.
  • Von: MarcoL

    Norwegen. Der Ich-Erzähler Jon, 47, berichtet von seiner gemeinsamen Woche mit seinem achtzigjährigen Onkel Ivar. Beide machen sich eines Tages im Spätherbst auf den Weg zu Ivars See. Der Onkel redselig bis zum Abwinken, Jon in sich gekehrt und nachdenklich, als Musiker gescheitert, bilden sie ein äußerst ungleiches Gespann. Ivar möchte seinen See samt Hütte, Bootshaus und alleinigem Fischereirecht an Jon übergeben. Ivar scheint es sehr wichtig zu sein, erklärt vieles, erzählt von der Familiengeschichte, und bittet Jon inständig, sich alles aufzuschreiben. Nicht dass er dann etwas übersieht und vergisst. Das enge Nebeneinander, Tag wie Nacht, scheint Ivar nichts auszumachen. Aber es bringt Jon an den Rand der Belastung. Denn es geht nicht nur um das Netzfischen. Ivar behandelt Jon wie einen Lehrbuben, scheint dessen Leben zu zerpflücken wie ein welke Blume, lässt an ihm kein gutes Haar und kritisiert seine Existenz nach Strich und Faden. Da helfen auch viele gut gemeinte Ratschläge nicht mehr. Es entwickelt sich dennoch etwas menschliches zwischen den beiden. Ton und Umgang miteinander bleiben trotzdem rau wie das Wetter. Wechselhaft, mal sonnig und mit einer gewissen Verbundenheit und einem Verstehen. Und dann kippt es wieder um und wird stürmisch und kalt. Es ist ein Wechselspiel der Gefühle – starr und stur erzählt, akribisch Tag für Tag. Als Leser fragt man sich, wohin das alles führen mag. Endet es gut oder schlecht, und was nehmen wir genauso wie Jon dabei mit? Trotz der gefühlten Eintönigkeit des Erzählens bleiben immer wieder diese kleine Fragen offen, man liest und blättert. Der ganz große Aha-Effekt bleibt zwar aus, aber es war nichts desto trotz eine angenehme Lektüre, die versucht, die Sicht auf manche Dinge zurecht zu rücken. Man könnte daraus den Versuch eines Öko-Romans ableiten, überzeugt hat mich diese Sichtweise aber nicht. Ich habe den Roman dennoch gerne gelesen, und sehe ihn als feine Unterhaltung aus dem Norden an. Das Buch an sich ist schön gemacht mit feiner Aufmachung und Haptik, das man gerne in die Hand nimmt.