Die leuchtende Republik von Andrés Barba

Andrés Barba Die leuchtende Republik

»Sollten Sie aus der großen Buchmessen-Ernte nur einen einzigen spanischen Roman lesen, es sollte dieser sein.« Paul Ingendaay, FAZ

Andrés Barbas international gefeierter Roman ist eine mitreißende Geschichte über die drängenden moralischen Fragen unserer Zeit: die Angst vor dem Fremden, die Verletzlichkeit der Zivilisation und den schmalen Grat zwischen Vernunft und Paranoia.

Dichter grüner Regenwald, tropische Trägheit: San Cristóbal ist eine verschlafene lateinamerikanische Provinzstadt, bis eines Tages wildfremde Kinder von der anderen Seite des schlammig-breiten Eré-Flusses dort einfallen und die Ruhe stören. Niemand kennt sie. Niemand weiß, woher sie kommen. Niemand versteht ihre Sprache. Sie haben Hunger, sie stehlen, sie jagen den Menschen Angst ein.

Die Bewohner von San Cristóbal stehen zunehmend unter Druck: Wie lange wollen sie dem Ganzen tatenlos zusehen? Wie unschuldig sind Kinder? Darf man Böses mit Bösem vergelten?

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: buecherundschokolade

    Die leuchtende Republik von Andrés Barba ist das verstörendste und gleichzeitig poetischste Buch, das ich seit Langem gelesen habe - so viel vorneweg. In der fiktiven lateinamerikanischen Provinzstadt San Cristóbal am trägen und schlammigen Eré-Fluss leben die Bürger in relativem Wohlstand und relativer Sicherheit (vom gelegentlichen Narcos-Mord einmal angesehen). Armut kennen sie nur von den Indigenen aus dem Eré-Stamm, aber die empfinden sie als pittoresk. Doch der Alltag der Stadt wird empfindlich gestört, als plötzlich fast drei Dutzend namen- und elternlose Kinder in der Stadt auftauchen, die betteln und stehlen und eine unbekannte, unverständliche Sprache sprechen. Niemand weiß woher sie kommen oder wer sie sind. Und warum üben sie eine so große Anziehungskraft auf die wohlbehüteten Kinder San Cristóbals aus? Während die Stadtbewohner zwischen Mitleid und Hass schwanken, schaukeln sich die Ereignisse immer weiter hoch bis zu einem furchtbaren Höhepunkt… Dabei stellt der Roman ganz wesentliche Fragen. Kann man Gewalt mit Gewalt beantworten? Wie verhält sich die Mehrheitsgesellschaft gegenüber Fremden? Wie viel Schuld können Kinder auf sich laden? Welche Schuld trifft die, die wegsehen? Auch die populistischen Reflexe in der leicht korrupten, leicht unfähigen Stadtpolitik sind seltsam vertraut: Aktionismus, härteres Vorgehen, härtere Strafen. Alles ohne positive Resultate. Der Roman des in Argentinien lebenden Spaniers Barba erinnert an die herausragenden Werke des magischen Realismus, an Gabriel García Márquez oder Miguel Ángel Asturias. Allerdings handelt es sich um einem im düsteren Gewand daherkommenden realismo mágico. Ein sprachlich wie inhaltlich anspruchsvolles, glänzendes Buch und daher eine große Leseempfehlung.
  • Von: Sören

    „Die leuchtende Republik“ von Andrés Barba ist ein fesselnder kurzer Roman, der um ein Enigma kreist. In der großen argentinischen Provinzstadt San Cristobal tauchen unbekannte Kinder auf. Sie scheinen in einer Geheimsprache zu kommunizieren, erst betteln sie, dann werden sie auf einmal gewalttätig, plötzlich sind sie verschwunden. Zuletzt verschwinden immer mehr einheimische Kinder der Stadt. Rund um diesen Torso baut Barba eine Erzählung, die sich subtil mit den Mechanismen von Populismus, der Beeinflussbarkeit von Menschen, der Unsicherheit von Erinnerung und dem Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern beschäftigt. Icherzähler und Protagonist ist ein Sozialarbeiter, ursprünglich zugezogen, verheiratet und Vater einer Tochter, die seine Frau aus erster Ehe mitgebracht hat. Ohne dominant zu werden, spielt diese Familiengeschichte auch immer wieder eine wichtige Rolle. Es ist schwer, die Symbolik des Romans komplett zu entschlüsseln. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass diese Kinder Vorschein einer neuen, einer anderen Art zu leben sein könnten. Aber welcher? Sie stehen sicherlich für kein bekanntes politisches Modell. Anfangs werden sie für entlaufen Kinder indigener Gruppen gehalten, bis man feststellt, dass ihre Sprache keine indigene ist, sondern eine auf dem Spanischen basierende Geheimsprache. Aber ist das mit der neuen Gesellschaft nicht vielleicht auch einfach ein Hirngespinst, eine Projektion des Protagonisten, wo der Roman sich doch in vielfältiger Weise mit solchen Projektionen auf das Kindliche beschäftigt? In jedem Fall treten die Kinder als Bedrohung auf. Zuerst als eingebildete, da die Gemeinde herumstreunende Kinder, die betteln, nicht ertragen möchte. Bald aber als reale. Doch inwieweit schufen die Reaktionen auf die eingebildete Bedrohung die reale erst? Und schließlich scheinen die Kinder zumindest in den jüngeren Bewohnern der Stadt ein Bedürfnis zu wecken, das die Gemeinschaft der Erwachsenen nicht erfüllen kann. Der Roman erzählt all das in einer zugänglichen, manchmal fast protokollarischen Weise, wobei in die Beobachtung des Protagonisten immer wieder Beobachtungen anderer eingeschaltet sind. Gleichzeitig steht aber auch die Stadt San Cristobal mit ihrem Filz, ihrem Dreck, ihren schönen Momenten und nicht zuletzt ihrem Aberglauben, der manchmal fragen lässt, wie viel von der Geschichte wirklich geschehen ist, sehr plastisch da. Ein gut gemachter dichter Roman, dem für die mehrfache Lektüre vielleicht das letzte Moment an sprachlicher Schönheit oder kompositorischer Besonderheit fehlt, den man aber zumindest einmal mit viel Interesse lesen kann.
  • Von: Lesereien

    Andrés Barbas Roman "Die leuchtende Republik" spielt am Ende des 20. Jahrhunderts in San Cristóbal, einer kleinen und an den Urwald angrenzenden Stadt. Die Geschichte beginnt, als dort plötzlich eine Gruppe wilder Kinder aus dem Urwald auftaucht. Sie sind alle zwischen sieben und dreizehn Jahre alt, sprechen ihre eigene Sprache, die niemand versteht und gehören bald zum Stadtbild. Als es jedoch in einem Supermarkt zu einer Gewalteskalation kommt, beschließen die Stadtbewohner, gegen die Kinder vorzugehen. Schon der erste Satz verrät, dass die zweiunddreißig Kinder sterben werden. Ihre anarchisch-utopische Form des Zusammenlebens, die ganz eigenen Regeln folgt, ohne Anführer auskommt und manchmal auf Diebstahl und Gewalt zurückgreifen muss, wird somit durch die Erwachsenen zerschlagen. “Die leuchtende Republik” bewegt sich irgendwo zwischen William Goldings Roman “Lord of the Flies” und Verena Güntners Roman “Power”, wobei er letzterem deutlich näher kommt, aber trotz dieser naheliegenden Vergleiche ganz für sich selbst steht, da er andere Schwerpunkte setzt, aus einer eigenen Perspektive und vor allem aus einem anderen kulturellen und historischen Kontext heraus erzählt. Er stellt meiner Meinung nach die kulturell fest verankerte Idee von Kindheit und von kindlicher Unschuld in Frage. Gleichzeitig zeichnet er ein Verhältnis zwischen Erwachsenen/Eltern und Kindern nach, das sich im Handumdrehen von Fürsorge in Misstrauen, Unverständnis und sogar Angst wandelt. Ich bin auch davon überzeugt, dass die Rebellion der Kinder im Roman für den Bruch mit einer Gesellschaft steht, die Ungleichheiten nicht nur bewusst toleriert, sondern sie verstärkt und dafür sorgt, dass Ungleichheit zwischen Bevölkerungsgruppen (Indigenen und Weißen) zum Kern der Gemeinschaft wird. “Die leuchtende Republik” habe ich als eine reiche und beeindruckende Lektüre wahrgenommen, die teilweise auch etwas Fieberhaftes hat, dicht und dringlich erzählt ist und mitzureißen weiß. Obwohl es für viele Leser wohl nicht die erste Geschichte ist, in der es um den Aufstand einer Gruppe von Kindern geht, vermag der Roman hervorzustechen und auch das ist durchaus bemerkenswert.
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