Lehne deine Einsamkeit sanft an meine von Klara Hveberg

Klara Hveberg Lehne deine Einsamkeit sanft an meine

Besondere Autor*innen, besondere Geschichten: btb SELECTION – Ausgezeichnet. Ungewöhnlich. Erstklassig.

Rakel hat es nie verstanden, Freunde zu finden. Ihre besten Freunde sind die Buchstaben, Zahlen und Phantasiefreund David. Außerdem hat sie ein Talent für Missverständnisse im besten Sinne: Wenn andere die Treppe nehmen, gleichen die Stufen in Rakels Augen einer Klaviatur. Wenn andere zwei sich kreuzende Boote beobachten, sieht Rakel einen Kuss auf den Gewässern der Fjorde.
Als sie zum Studium nach Oslo zieht, lernt sie den Mathematikprofessor Jakob kennen. Er arbeitet an einem Roman über Sofja Kowalewskaja, die erste Frau, die Mathematikprofessorin wurde. Zu ihrem Vorgesetzten hatte sie ein enges Verhältnis, und auch Rakel und Jakob gehen eine Liebesbeziehung ein. Doch Rakel wird krank und phantasiert vom Bett aus über Sofjas Leben, sucht nach Antworten in Zahlen, Musik und Literatur. Kann Sofja ihr helfen, sich selbst und ihre Beziehung zur Welt und zur Liebe zu verstehen?

Jetzt bestellen

€ 12.00 [D] inkl. MwSt. | € 12.40 [A] | CHF 16.90 * (* empf. VK-Preis)

Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Sarah

    Ein Buch, bei welchem mir vor allem das Cover ins Auge gesprungen ist und an das ich tatsächlich absolut unvoreingenommen heran gegangen bin, da ich im Vorfeld keine Rezi dazu gelesen habe. Umso begeisterter war ich von der Tiefe die es enthält. - Rakel ist als Kind nach Norwegen eingewandert und fühlt sich immer ein wenig fehl am Platz. Kontakte zu anderen knüpft sie nicht und verbringt die Zeit am liebsten mit ihrem Papa. Sie studiert Mathematik und verliebt sich in ihren Professor, der sehr große Stücke auf sie hält, aber auch von sich selbst sagt, dass er ein Mistkerl ist. Ihr ganzen Leben ist geprägt von der Liebe zu Mathematik, Literatur, klassischer Musik und unerreichbaren Männern, sowie durch ein tiefes Gefühl von Einsamkeit und Krankheit. - Wie bereits eingangs erwähnt, hat mich eine Begeisterung beim Lesen erfasst, die schwer in Worte zu fassen ist. Der ruhige Schreibstil gefällt mir total gut und die Melancholie die aus den Zeilen spricht ist förmlich greifbar. Für die Autorin Klara Hveberg ist dieser Roman eher eine Einsamkeitsgeschichte als eine Liebesgeschichte und dieser Meinung kann ich mich ganz klar anschließen. Ich habe bisher kein Buch gelesen in dem das Thema Einsamkeit so facettenreich verarbeitet wurde. Das die Autorin selbst Mathematikerin ist und dies auch liebt, wird in jeder Zeile spürbar. Es wird nicht nur auf die faszinierende Logik von Mathematik, sondern auch auf die Schönheit derer eingegangen. Ebenso spielt Literatur und klassische Musik eine große Rolle, was mir sehr gut gefallen hat. Die Protagonistin Rakel ist ein sehr liebenswerter Mensch. Wahnsinnig intelligent und in ihrem Denken anders, als die meisten Menschen schafft sie sich eine Welt, die für andere schwer zu durchschauen ist. Durch ihr zurückhaltendes, fast scheues Wesen, dass sicher auch durch die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung geprägt wurde, fällt es ihr schwer Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Auch eine nicht näher benannte Krankheit, die sie als junge Erwachsene ereilt, bremst sie stark aus und treibt sie weiter in die Einsamkeit. Rakel ist ein Mensch der mit dem Alleinsein keine Probleme hat, aber diese tiefe Sehnsucht nach menschlicher Nähe lässt sie verzweifeln. Auch dies fand ich toll umgesetzt. Für viele Menschen ist Alleinsein und Einsamkeit ein und das selbe und hier kommt sehr schön heraus, dass es sich in vielen Nuancen unterscheidet. Die Rakel aus der Geschichte mag neben Zahlen auch Buchstaben. Vor allem Anagramme haben es ihr angetan und ich finde es wunderbar das dies auch in der Wahl des Namens der Protagonistin deutlich wird. Dieser (Rakel Havberg) ist nämlich ein Anagram zum Name der Autorin (Klara Hveberg). Dies und auch andere Gemeinsamkeiten zur Autorin lassen die Vermutung zu, dass zumindest Teile der Geschichte durch das Leben der Autorin selbst inspiriert sind. - Ein absolut gelungener Debütroman und eine riesige Leseempfehlung von mir.
  • Von: Heidelperle

    Dieses Buch habe ich mir hauptsächlich herausgesucht, weil ich mich nach meinem einwöchigen Trip nach Oslo in die Stadt und vor allem auch das Land verliebt habe. Ich habe es mir toll vorgestellt, mittels eines Buchs zurück in die Stadt zu kehren, vielleicht den ein oder anderen Platz wiederzuerkennen, weil ich selbst da war und mir damit gut vorstellen kann, wo genau die Protagonisten stehen, wie die Aussicht ist und vor allem auch wie die verschiedenen Spots die Gefühle beeinflussen. Es gibt nämlich einige tolle, romantische und einfach schöne Orte, die man in Oslo besuchen kann. Leider bin ich auch hier wieder mit völlig falschen Erwartungen an die Sache herangegangen. Das Buch spielt natürlich in Oslo, aber nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Der Erzählstil hält sich hauptsächlich an die Gefühle und Gedanken der Charaktere, nicht so sehr an die Ortsbeschreibungen. Man erfährt selten, was genau die Protagonisten tun, sondern eher wie sie sich dabei fühlen. Ich muss zugeben, dass das für mich schon im ersten Moment eine große Enttäuschung war. Dennoch habe ich mich auf die Geschichte eingelassen. Auch, wenn ich das Buch vermutlich nicht noch einmal lesen würde, hat es mich in manchen Punkten doch sehr bewegt und immer wieder ein drückendes Gefühl hinterlassen, nicht zuletzt weil die Protagonistin selbst teilweise sehr bedrückende Gedanken hatte, sie sich zumindest so gelesen haben. Immer wieder wird der Vergleich zu Sofja Kowalewskaja gezogen, die es auch wirklich gegeben zu haben scheint. Hin und wieder muss ich zugeben, dass ich den Vergleich nicht ganz verstanden habe, in anderen Punkten wiederum hat der Vergleich durchaus Sinn ergeben. Manchmal vermischen sich Realität und Fantasie miteinander und es fiel mir hin und wieder schwer, beides auseinanderzuhalten.
  • Von: Martine_H

    "Manchmal frage ich mich, ob mein ganzes Leben eine Suche nach Schönheit gewesen ist. Schönheit in der Mathematik, Schönheit in der Literatur und in der Musik. Es fühlt sich so an, dass sich in Mathematik hineindenken und Literatur zu verfassen eng miteinander verwandt sind. Während Autoren sich als Poeten im Universum der Sprache betätigen, suchen Mathematiker Poesie in der Sprache des Universums". Rakel lebt in ihrer eigenen Welt. Schon als Kind fördert ihr Vater, der selbst Wissenschaftler ist, ihre Begabung für Zahlen und Formen wie auch die Musik. Durch einen Mathematikprofessor Jakob Krogstad, taucht Rakel auch in die Welt der Literatur ein. Beide interessieren sich sehr für einen Briefwechsel zwischen Sofja Kowalewskaja, der ersten weiblichen Universitätsprofessorin für Mathematik und Karl Weierstrass, einem der größten Mathematiker dieser Zeit, der Sofja Privatunterricht gab, da sie anfangs an der Universität nicht angenommen wurde. Die innige Auseinandersetzung mit diesen beiden Wissenschaftlern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Jakobs Wunsch einen Roman darüber zu verfassen, lässt auch ihn und Rakel sich näherkommen. Doch ihre Wege trennen sich und Rakel sinniert, aus dem Krankenbett heraus, wie wohl ihr Leben hätte anders verlaufen und auch ihre Liebe eine andere hätte sein können. Auch die Vita von Sofja Kowalewskaja, die detailliert behandelt wird, fasziniert. Als Mathematikerin aber auch als Schriftstellerin setzte sie der Welt ihren Stempel auf. Ihr Zitat „Es ist unmöglich, ein Mathematiker ohne ein Dichter der Seele zu sein“ beschreibt ihre eigene Persönlichkeit besser, als alles andere in Worte gefasst. Sie galt als Wegführerin ihrer Zeit für eine neue Ära für Frauen: modern, autark, unabhängig und kosmopolitisch und vor allem mit in der Welt der Wissenschaft, einer zu dieser Zeit von Männern beherrschten Domäne, integriert. Auch, wenn sie leider heute für den größten Teil der Menschheit unbekannt bleibt. Es ist ein Buch der leisen Töne, das den Leser in die „Poesie der Mathematik“ einführt. Rakel’s Blick auf das Leben erschließt sich in kleinen Schritten. Es gibt so viele wunderbare Erläuterungen, die einem eine neue Sichtweise auf diese Welt der Zahlen sowie auch der Töne und Buchstaben öffnet. Irgendwie fühlt man sich wie in einer Zauberwelt eingehüllt, voller neuer Farben und Formen, die einem bis dato verborgen blieben. Die ehrliche Auseinandersetzung von Rakel mit der Einsamkeit und dem Sinn des Lebens lässt tief in ihre Seele blicken und zeigt auch die Zerbrechlichkeit der Liebe auf. Die Erzählperspektive in der dritten, neutralen Person baut eine gewisse Distanz auf zu den Protagonisten, was jedoch dem Ganzen keinen Abbruch tut. Es scheint fast, als ob die Protagonisten selbst weniger wichtig wären als ihre Sichtweise auf die Welt. Der Schreibstil ist wunderbar anders und geprägt durch den wissenschaftlichen wie auch kulturellen Hintergrund der Autorin, die selbst Mathematik studiert hat und in Norwegen geboren ist und lebt. Ihr gelingt ein schier unmöglicher Drahtseilakt: Mathematik mit Kunst und Literatur zu verbinden. Die Geschichte hat mich persönlich sehr verzaubert und lässt ihren „Feenstaub“ nachhaltig auf der meiner Leseseele zurück.
Mehr laden