Schwerer als das Licht von Tanja Raich

Tanja Raich Schwerer als das Licht

Eine Frau lebt auf einer tropischen Insel. Berichtartig gibt sie Auskunft über all die seltsamen Dinge, die passieren. Die Blätter der Bäume färben sich schwarz. Am Ufer liegen tote Fische. Sterne fallen vom Himmel. Und in ihr wächst die Angst vor denen, die im Norden der Insel leben. Sie baut ihr Haus zu einer Festung aus, ständig gefasst auf den Angriff ihrer Feinde.

Realität und Traum, Gegenwart und Vergangenheit, Licht und Schatten - alles überlagert sich und bald ist nicht mehr klar: Sind es die anderen, oder ist sie sich selbst die größte Bedrohung?

„Schwerer als das Licht“ ist ein Roman, der reich ist an Bildern und Deutungsmöglichkeiten und durch seinen parabelhaften Charakter von den zentralen Gegenpolen des Lebens erzählt: vom Anfang und Ende, von Licht und Schatten, von der Natur und dem Übernatürlichen, Krieg und Frieden, Macht und Ohnmacht, Täter und Opfer. Es ist eine Geschichte der Menschheit und ihres Untergangs, die uns schmerzlich vor Augen führt, was wir verloren haben und was wir noch verlieren werden.

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Lesehummel

    Der Mond rutscht vom Himmel, die Sterne versinken im Meer. Fische werden tot an den Strand gespült, die Blätter der Bäume färben sich schwarz und werden zu Staub; die gesamte Flora und Fauna gibt sich dem Verfall preis. Schauplatz und ein Stück weit auch tragende Rolle in Raichs atmosphärischen Roman ist eine tropische Insel, die nach und nach immer weiter in sich selbst zusammenfällt. Auf dieser Insel lebt die namenlose Protagonistin, zurückgezogen und einsam in einer bescheidenen Hütte im Dschungel, welche sie nach und nach zu einer Festung aufrüstet. Aus dem Nordteil der Insel erklingt hin und wieder das Schlagen von Trommeln, und die Protagonistin fürchtet sich vor einer womöglich nahenden Konfrontation mit den Bewohnern des fremden Nordens; dem Unbekannten, Feindlichen. Und so wartet sie, während sie in diesem immer fortwährendem Zustand des Ausharrens dem zeitgleichen, unergründlichen Sterben ihrer Welt zusieht. Wie könnte es anders sein: die Stimmung ist bedrohlich in dieser durchweg düsteren Geschichte, in welcher Illusion und Realität, Gegenwart und Vergangenes, nahezu komplett ineinander übergehen. Der Roman liest sich ähnlich einem apokalyptischen Bericht über den Zerfall, bietet enorm viel Interpretationsraum und ist wahnsinnig spannend aufgebaut. Sprachlich wunderschön erzählt, liefert dieser Roman eine faszinierende Reise durch eine surreale Welt, die Natur und das Übernatürliche. Leider führt das Buch dabei tief hinein in eine Spirale des Wahnsinns, in der zu Vieles zu vage bloß angedeutet wird. Das ist unbestreitbar eine wirklich große sprachliche Kunst der Autorin und das Wesen des Romans, war mir persönlich aber insgesamt doch etwas zu verworren. Zweifelsfrei bietet der Text eine enorm große Range an Deutungsmöglichkeiten, aber für mich hat er sich zu sehr im Kreis gedreht und war mir am Ende leider einen Tick zu ungreifbar. Trotzdem ist "Schwerer als das Licht" ein großartiger, toller Roman, dem man sicherlich nur durch eine erneute, noch viel intensivere Lektüre gerecht werden kann.
  • Von: Bookster HRO

    Raich führt uns auf eine tropische Insel, von exotischen Tieren bevölkert und farbenfrohen Pflanzen bewachsen. Auf der Insel lebt auch eine Frau. Sie ist allein und pflegte bisher eine harmonische Symbiose mit der Natur. Doch irgendwann begannen die Pflanzen zu sterben, alles welkte, verdorrte, wurde faulig und morsch. Nun werden die Tiere immer aggressiver und es beginnt ein Kampf um die letzten Ressourcen, bevor alles in schimmelndem Schwarz ein Ende findet. Bedrohlich ist auch das kriegerische Volk im Norden, das in wilden Trommeltänzen immer weiter in den Süden vorrückt. In ständiger Angst vor Übergriffen baut die Frau ihre Hütte zu einer Festung aus, verschanzt sich hinter einer ganzen Reihe von Fallen und Hindernissen. Doch der Augenblick, in dem sie sich der Konkurrenz stellen muss, wird kommen – wenn sie nicht verhungern will, gibt es vor der Konfrontation kein Entrinnen. Müsste ich SCHWERER ALS DAS LICHT mit einem Wort beschreiben, fiele meine Wahl auf: beklemmend. Die Atmosphäre, die Raich von der ersten Seite an aufbaut, ist dermaßen düster und beängstigend, dass es mir mit jedem Kapitel weiter die Kehle zuschnürte. Verstärkt wird dieses Gefühl durch den schnörkellosen Schreibstil: Figuren bleiben namenlos, beschrieben wird nur das Nötigste; kein Wort ist zu viel, kein Satz zu lang, nur bei den Naturbeschreibungen erlaubt sich Raich, etwas weiter über die Ufer zu treten. Dennoch ist die Prosa nicht ohne Reiz, ganz im Gegenteil. Mit ihrer präzisen, immer den Kern ihrer Aussage treffenden Sprache gelingt der Autorin eine Art dunkle Poesie, ein Text, so schwarz glänzend wie Vulkanglas. Was den Roman ebenfalls bemerkenswert macht, ist die Fülle an Interpretationsmöglichkeiten. Oberflächlich gesehen, kann das Buch schnell als Parabel auf den Klimawandel abgehakt werden, ein Kammerspiel, das den ewigen Kampf Mensch-vs.-Natur widerspiegelt. Doch bei einem tieferen Blick tun sich noch viel mehr Ebenen auf. Möglich wäre auch, dass es sich um das Psychogramm einer Phobikerin handelt, die Angst vor der Außenwelt hat – die Insel als Inbegriff diffuser Bedrohung, die Festung des eigenen Ichs als einzige Zuflucht. Oder beschreibt das Sterben aller Schönheit den Weg in eine Depression? Dieser Reigen mit den Bedeutungen lässt sich bei SCHWERER ALS DAS LICHT endlos tanzen und die Autorin liefert die passende Musik dazu. Die Fragen, die sie dabei stellt, sind sind so klar wie fundamental. Was ist Angst? Was ist Verlust? Was ist Trauer? Warum ist Leben gleich Kämpfen? Tanja Raich hat ein weiteres Mal gezeigt, dass sie zu den großen Stimmen ihrer Generation gehört. Ich erkläre SCHWERER ALS DAS LICHT hiermit zu einem großen Highlight des frisch angebrochenen Literaturherbstes.
  • Von: Bjoernandbooks

    Zivilisation scheint fern, symbiotisch mit der Natur, den Tieren und Pflanzen, die sie umgeben, lebt eine Frau auf einer vermeintlich einsamen Insel. Dort hat sie sich eingerichtet, hat sich ein zunächst provisorisches, dann mehr und mehr ausgearbeitetes Heim geschaffen, geht jagen, freundet sich sogar mit einem kleinen Langurenäffchen an. Doch immer wieder fühlt sie sich verfolgt, gehetzt, von der Natur und von den nebulösen Gefahren, die von einer Gruppe Menschen ausgeht, bedroht. Um sie herum scheint sich alles zu verändern: Pflanzen welken, werden schwarz, sterben. Vögel, Insekten und Spinnen werden krank und schwach, versiechen vor ihren Augen. Doch die größte Unsicherheit besteht aufgrund derer, die im Norden der Insel leben. Immer wieder blitzen Gedanken aus der scheinbaren Vergangenheit auf, Bilder, möglicherweise auch Trugbilder, die eigene Erlebnisse zu sein scheinen, brutale Erlebnisse, schöne Erlebnisse – doch wie viel davon ist wirklich wahr? Was ist tatsächlich passiert und was bildet sie sich ein vor dem Hintergrund des totalen Zerfalls? „Irgendwann werden sie kommen, doch ich werde sie bezwingen. Meine Festung wird standhalten. Wenn sie kommen, bin ich fort. Wenn sie zurückkehren, bin ich dort“ (S. 101) Wenn Realität und Einbildung nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind, wenn die Angst dominiert, wenn nichts und niemand mehr bleibt, der Zuverlässigkeit und Sicherheit bietet: All diese Gefühle vereint Tanja Raich in ihrem dystopischen Roman „Schwerer als die Nacht“, einer Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Missstände. In die literarische Form einer Robinsonade gegossen erleben wir eine Frau in einer psychischen Ausnahmesituation am Rande einer sich auflösenden Welt, einer Natur, die stirbt und gleichzeitig rückerobert. Raich spielt dabei sowohl mit den Gefahren des Undefinierten als auch mit dem Aufeinandertreffen von Zivilisation und Natur. Die namenlose Protagonistin befindet sich in einem nahezu wahnhaften Zustand, permanent auf der Flucht, immer wieder einzelnen anderen Menschen begegnend, die sich einem Gut oder Böse nur schwer zuzuordnen lassen. Alles beherrschend bleibt die Angst, die Angst vor den Anderen, vor der Evolution der Auflösung, die sich in der sie umgebenden Natur vollzieht, Angst auch vor sich selbst, vor dem, was sie imstande ist zu tun. Schlaglichtartig blitzen Erinnerungen in ihr hervor: Da gab es einen Mann, der ganz alleine im Dorf lebte, auf sie wartete, sie verführte. Doch existierte dieser Mensch und was hat sie ihm angetan, nachdem er sich veränderte, das Böse ausstrahlte? Diese Dichotomien von Freund und Feind, von vertrauensvoll und gefährlich, führt Raich ad absurdum, demonstriert, wie wir unsere Umgebung dadurch zerstören, indem wir zunächst uns selbst zu Grunde richten. Soziokulturelle und gesellschaftliche Phänomene knüpft Raich unmittelbar an evolutionäre Thematiken – und entwirft damit ein kluges Bild, wie Mensch und Natur in Abhängigkeit zueinander stehen. Gelegentlich blitzen da Annäherungen an das „Wilde“ auf, ein möglicher kolonialer Blick? Doch zeigt Raich mit fortschreitender Erzählung, dass es hier vielmehr um das Wesen eines jeden Menschen, das „Wilde“ in uns allen geht. Der gehetzte Ton der Protagonistin und die stetige Unklarheit über Realität und Fiktion des Erzählten machen dabei einerseits den großen Reiz des Textes aus. Andererseits bewegt sich der kaum vorhandene Plot, die situative Deskription, jedoch auch immer nur in wiederkehrenden Spiralen, lässt ein Voranschreiten kaum erkennen. Darauf muss mensch sich einlassen und mit der Erkenntnis leben, dass ein Schlusspunkt, ein Finale Furioso, hier nicht vorgesehen ist. Alles bleibt offen, alles bleibt vage – so wie auch die Zukunft unseres Planeten...
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