Die große Angst von Roland Paulsen

Roland Paulsen Die große Angst

Warum fühlen wir uns schlechter, obwohl wir besser leben als je eine Gesellschaft zuvor? Was macht unser Leben heute komplizierter? Und warum sind Angststörungen und Depressionen gerade jetzt auf einem Höchststand? Dem geht der schwedische Soziologe Roland Paulsen in seiner klugen Analyse der Angst auf den Grund. Er zeigt, dass das Vermeiden jeglicher Risiken und die moderne Unfähigkeit, Unsicherheiten auszuhalten, zu einem weit verbreiteten Angstgefühl führen. So erhöht die schiere Menge an Möglichkeiten, die uns in jedem Lebensbereich offensteht, die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen und damit die Angst davor. Überinformation führt nicht zu Beruhigung, sondern zu Verunsicherung und Gedankenspiralen: Was, wenn ... Mit seinem intelligenten Porträt unseres »Zeitalters der Angst« trägt Paulsen dazu bei, dass wir die Welt und uns selbst besser verstehen. Und vielleicht etwas weniger ängstlich auf unser Leben blicken.

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Alexia

    Die Ängste und Sorgen, die wir heute haben kennt die Menschheit noch nicht sehr lange. Die Art unserer Angst so wie wir sie heute kennen, gab es nicht immer. In seinem Buch schreibt Roland Paulsen über ein Rätsel, vor dem Sozialwissenschaften und Medizin gleichermaßen stehen: Trotz des enormen Fortschritts unserer Zivilisation verbessert sich unser psychisches Wohlbefinden nicht. Somatische Erkrankungen wurden, weltweit von der führenden Krankheitsursache Depression abgelöst. Was, wenn wir krank werden? Was, wenn ich morgen meinen Job verliere? Was, wenn wir zu wenig für die Covid-19-Pandemie tun? Oder zu viel !? Die "Was, wenn...? - Fragen" sind für uns eine Möglichkeit, mit mehr oder weniger wahrscheinlichen Risiken umzugehen. Der Autor verdeutlicht uns aber, dass Menschen mittlerweile nicht mehr in der Lage sind, mit diesen Unsicherheiten zu leben. Wir sind besessen davon Risiken zu kalkulieren und zu vermeiden. 𝗔𝗯𝗲𝗿 𝘄𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗶𝘀𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝘀𝗼? 𝗪𝗼 𝗱𝗲𝗻𝗸𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝘀𝗲𝗹𝗯𝘀𝘁 𝘂𝗻𝗱 𝘄𝗼 ü𝗯𝗲𝗿𝗹𝗮𝘀𝘀𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗥𝗼𝗯𝗼𝘁𝗲𝗿𝗻? 𝗕𝗲𝗱𝗶𝗲𝗻𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝗠𝗮𝘀𝗰𝗵𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗻𝗼𝗰𝗵 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝗯𝗲𝗮𝘂𝗳𝘀𝗶𝗰𝗵𝘁𝗶𝗴𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝘀𝗶𝗲 𝗻𝘂𝗿 ? 𝗔𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝘂𝗺 𝘇𝘂 𝗹𝗲𝗯𝗲𝗻 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝗹𝗲𝗯𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝘂𝗺 𝘇𝘂 𝗮𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝗲𝗻? 𝗪𝗼 𝗹𝗲𝗯𝗲𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗴𝗹ü𝗰𝗸𝗹𝗶𝗰𝗵𝘀𝘁𝗲𝗻 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝘄𝗮𝗿𝘂𝗺? Diese und viele andere Fragen werden vom Autor vielschichtig bearbeitet und mit authentischen Beispielen analysiert. Er beleuchtet das Thema Angst aus vielen Perspektiven. Das Buch ist in drei Teile gegliedert und behandelt dieses komplexe Thema in all seinen Facetten. Ich muss gestehen, dass man dieses Buch keinesfalls leichte Lektüre nennen kann. Einige Textpassagen waren schwer verständlich, somit musste ich manchmal pausieren um das Gelesene zu verarbeiten. Es ist ein anspruchsvolles Sachbuch mit einigen philosophischen Anteilen. Für knapp 376 Seiten (Ohne Anhang) habe ich länger gebraucht als sonst üblich, aber es lohnt sich wirklich sich diese Zeit zum lesen zu nehmen. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch, das nachhaltig zum Denken anregt.
  • Von: leseratte54

    Am 24. Mai 2021 erschien im Mosaik Verlag das Sachbuch -Die große Angst: Warum wir uns mehr Sorgen machen als je eine Gesellschaft zuvor- von Dr. Roland Paulsen. Der Autor ist Professor für Soziologie an der Universität in Lund, Schweden. Übersetzt wurde sein 416 Seiten umfassendes Buch von Ulrike Brauns. ...aus dem Klappentext...Warum fühlen wir uns schlechter, obwohl wir besser leben als je eine Gesellschaft zuvor? Was macht unser Leben heute komplizierter? Und warum sind Angststörungen und Depressionen gerade jetzt auf einem Höchststand? Dem geht der schwedische Soziologe Roland Paulsen in seiner klugen Analyse der Angst auf den Grund. Er zeigt, dass das Vermeiden jeglicher Risiken und die moderne Unfähigkeit, Unsicherheiten auszuhalten, zu einem weit verbreiteten Angstgefühl führen. Das Buch ist in drei Teile gegliedert und behandelt das komplexe Thema Angst in all seinen Facetten und in seiner Vielschichtigkeit. Der erste Teil (Angst in der heutigen Zeit) ist auf der einen Seite eine Grundlage für das weitere Verständnis zum Inhalt dieses Buches und zum anderen eine Einführung und die Erläuterung von Basiswissen, z.B. was sind Ängste, was sind Sorgen, Gedanken und wie funktioniert das Denken. Der zweite Teil (ein Blick in die Geschichte) zeigt die Entwicklung der Angst in der Gesellschaft auf. Wie hat sich die Gesellschaft verändert bzw. was hat die Angst mit der Gesellschaft gemacht, sodass diese sich möglicherweise geändert hat. Der dritte Teil (Die Maßnahmen unserer Zeit: Was wir tun können) zeigt Möglichkeiten auf, wie der Umgang mit der Thematik Angst bewältigt werden kann, z.B. das Akzeptieren eines bestimmten Zustandes, Therapiemöglichkeiten. Am Ende des Buches gibt es unter den Anmerkungen sehr viele weiterführende Literaturangaben, sowie ein Personen- und ein Sachregister. Mir hat das Buch gut gefallen. Es handelt sich hierbei um keine leichte Lektüre, sondern um ein anspruchsvolles Sachbuch und einigen philosophischen Anteilen, welche erst beim zweiten Lesen zu verstehen sind. Immer wieder musste ich pausieren und das gelesene verarbeiten, denn die ein oder andere Textpassage fand ich schwer verständlich. Insgesamt ein sehr interessantes und wichtiges Buch über die gesellschaftliche Entwicklung. Dieses Buch bewerte ich gerne mit 4 Sternen und empfehle es gerade den Lesenden, die sich die Zeit nehmen dieses Buch in Ruhe lesen zu wollen.
  • Von: fwe-blog

    Dieses Buch stellt Leser/innen und Rezensenten (auch hier sind die weiblichen mitgemeint) vor gewisse Herausforderungen. Das hat nichts damit zu tun, dass dieses Sachbuch unverständlich geschrieben wäre. Es entzieht sich ein wenig den gängigen Kategorien. PAULSEN, von Haus aus Soziologe, holt weit aus und bedient sich auch der Nachbardisziplinen: Er greift auf psychologische, psychiatrische, philosophische und politische Erkenntnisse zurück – und relativiert diese manchmal in einem erstaunlichen Umfang. Insgesamt ist so eine sehr persönliche Betrachtung entstanden, fast so etwas wie ein (sehr umfangreicher) Essay, in dem eine recht eigenwillige Meinung sehr engagiert vertreten wird. Der Autor traut sich, einen sehr weiten Bogen zu spannen, um seine Grundthesen zu untermauern und nimmt dabei in Kauf, in vielen Bereichen wissenschaftlichen Mehrheitsmeinungen in die Quere zu kommen. Hier wird kein Thema zusammenfassend und aus mehreren Perspektiven behandelt. Dieses Buch ist ganz bewusst ein pointierter Diskussionsbeitrag, der eine mögliche Facette des Gegenstands ausleuchtet. Soweit die Meta-Ebene. PAULSEN betrachtet die bedeutsamsten psychischen Störungen als eine Art Einheit: Für ihn liegen den Ängsten, den Depressionen und den Zwängen gemeinsame Dynamiken zugrunde. Sein großes Thema ist, dass diese Entstehungs- und Versursachungsfaktoren viel weniger individuell (und damit innerpsychisch bzw. hirnorganisch) sind – und stattdessen viel stärker gesellschaftlich determiniert werden. Wir lernen im Laufe des Buches eine Reihe von Personen kennen, die unter Zwängen, Ängsten und/oder Depressionen leiden; ihre gelegentlich skurrilen Symptomatiken werden anschaulich beschrieben. Es geht viel um deren innere Gedankenkreisläufe, um Selbstbetrachtung und Selbstbewertungen. Der Autor will zeigen, dass die Basis dieser leidvollen kognitiven Muster in einem engen Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Grundbedingungen stehen, unter denen wir all heute leben müssen. Vielleicht ein bisschen konkreter: Auch mithilfe historischer und kultureller Vergleiche macht PAULSEN deutlich, dass wir nicht nur Prozessen der „Überindividualisierung“ (mein Begriff), der permanenten (zukunftsbezogenen) Selbstreflexion und der naturfernen künstlichen Zeit-Taktung ausgeliefert sind, sondern dass sich als hervorstechendste Merkmal der Moderne eine geradezu pathologische Risikofurcht und Risikovermeidung ausgebildet hat. Der Autor ist überzeugt davon, dass der der verzweifelte innere Kampf um Sicherheit und Kontrolle nicht nur aussichtslos ist, sondern die Nichtakzeptanz von (kleinen und großen) unvermeidlichen Lebensrisken uns erst wirklich krank macht. Dass wir bei der realistischen Einschätzung von Risiken auch noch grandios scheitern, macht die Sache nicht einfacher. Gibt es eine Lösung? PAULSEN plädiert für Gelassenheit und Akzeptanz. Statt wie das berühmte Kaninchen auf auf die überall lauernden Risiken zu starren, sollten wir uns lieber mutig auf die Ziele hinbewegen, die uns erstrebenswert erscheinen; nicht nur als Individuen, sondern auch als Gesellschaft. Eine Aussicht auf Seelenfrieden, Glück und Erfolg gibt es nicht; die Fixierung auf Gefahren lähmt uns und macht uns handlungsunfähig. Dass der Autor der klassischen Psychiatrie mit ihren Psychopharmaka, der Psychoanalyse, der kognitiven Verhaltenstherapie und der Hirnforschung ihre Erklärungs- und Therapiemodelle streitig macht, wird ihm sicherlich wenig Freunde einbringen. Die Konsequenz, mit der er alle anderen wissenschaftlichen Zugänge zu den beschriebenen psychischen Störungen relativiert, hat sicher etwas bewusst Provokatives. Er wird über Gegenwind nicht überrascht sein. PAULSENs Perspektiven sind erhellend und anregend; einen in sich schlüssigen und überzeugenden Gegenentwurf hat er aber letztlich nicht zu bieten. Empfehlen kann ich dieses Buch für Menschen, die sich mit psychischen Störungsbildern schon ein wenig auskennen und sich daran erfreuen können, mal eine erfrischend andere (soziologische) Sichtweise auf sich wirken zu lassen. Als Einführung in das Thema Angst (bzw. Zwang/Depression) ist der Text ganz sicher nicht geeignet.
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