Im Unterland von Robert Macfarlane

Robert Macfarlane Im Unterland

Ausgezeichnet mit dem NDR Kultur Sachbuchpreis

In einer großartigen Entdeckungsreise nimmt uns der vielfach ausgezeichnete britische Autor Robert Macfarlane mit in die dunkle, überraschende Welt unter der Erde. Er führt uns in Höhlenlandschaften in England und Slowenien, zu einem unterirdischen Fluss in Italien, in den Untergrund von Paris, die schwindende Gletscherwelt Grönlands und, zuletzt, in einen Stollen für Atomabfälle, der die nächsten 100.000 Jahre überdauern soll. Sein Buch ist viel mehr als eine fantastische Natur- und Landschaftsgeschichte: Eindringlich schildert er das Wechselspiel zwischen Mensch, Natur und Landschaft – nicht zuletzt als Mahnung, was wir durch unsere Eingriffe zu verlieren drohen.

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Travel Without Moving

    "Und stets sind es die drei gleichen Aufgaben, die das Unterland für alle Kulturen und Epochen erfüllt: Es soll Kostbares schützen, Wertvolles hervorbringen, Schädliches entsorgen." (Seite 16) Der Naturschriftsteller Robert Macfarlane ist fasziniert vom Unterland, von der Welt unter unseren Füßen. Er erzählt in seinem Buch von Aveline‘s Hole mit 10.000 Jahre alten menschlichen Leichen von Erwachsenen, Kindern und Kleinkindern sowie den Überresten mehrerer Tiere, von Dunkler Materie und Anthropozän, wood wide web und Kommunikation zwischen Bäumen, der Stadt unter der Stadt Paris und Beinhäusern, Hades und Karst, Höhlenmalerei und Mahlstrom, Ölfeldern und Bergbau, Gletschern und Kalbung, Kalevala und Atommüll. In poetischer Sprache berichtet Macfarlane von einer Welt, die den meisten Lesern wahrscheinlich eher weniger bekannt ist, taucht ab in tiefste Tiefen und in längst vergangene Epochen. Dabei gelingt es ihm, ein sehr breit gefächertes Themenfeld zu bearbeiten und dem Leser verschiedene Facetten des Unterlandes nahe zu bringen. Seine Texte sind oft stimmungsvoll und informativ, fesselnd erzählt, aber bisweilen auch ein wenig langatmig, so dass mich nicht jedes Kapitel begeistern konnte und ich bisweilen quergelesen habe. Einige Kapitel sind jedoch sehr gelungen, und stets spürt man Macfarlanes Faszination fürs Thema und die ausgiebige Recherche des Autors. Letztendlich hat mich ‚Im Unterland‘ zwar stellenweise begeistern können, aber unterm Strich eher etwas enttäuscht, weil ich durch den weitschweifigen Schreibstil nicht so gebannt gelesen habe, wie ich mir das gewünscht und wie ich das aufgrund des spannenden Themas erwartet hatte. "Wir sind zu den Toten oft liebevoller als zu den Lebenden, obwohl die Lebenden unsere Liebe viel mehr brauchen." (Seite 39) Robert Macfarlane: Im Unterland. Ein Entdeckungsreise in die Welt unter der Erde. Aus den Englischen von Andreas Jandl und Frank Sievers. Penguin Verlag, 2019, 555 Seiten; 24 Euro.
  • Von: Der Büchernarr

    "Im Unterland" ist sicherlich kein übliches Sachbuch, sondern eine bunte Mischung aus wissenschaftlichem Bericht, Abenteuerroman und Geschichte. Allerdings alles unter dem Oberbegriff des Reichs unter der Erdoberfläche. Vielfalt Dabei streift der britische Autor durch eigene Gefilde in England und begibt sich anschließend nach Europa, wobei diese Aufteilung (ganz ohne Brexit) erkennen lässt, wie tief verwurzelt, die anti-europäische Denkweise bei so manchem Briten ist, obgleich dieses Buch nur wenig politisch ist, mal abgesehen von den schon fast obligatorischen Verurteilungen der Greueltaten die zwei Weltkriege im Unterreich zurückgelassen haben. Diese Streifzüge werden immer wieder von Zusatzgeschichten begleitet, die in meinen Augen zu sehr den Fokus auf das Wesentliche haben verlieren lassen. Macfarlane hat ein sehr facettenreiches Werk geschaffen, dass durch viele Themengebiete streift. Das ist meines Erachtens Fluch und Segen zugleich. Denn auf der einen Seite wird der Leser neben den wissenschaftlichen Informationen mit zahlreichen historischen Details gefüttert, auf der anderen Seite verliert sich so oftmals die Spur ins Unterreich. Sehr oft habe ich mich geärgert, dass er den eingeschlagenen Pfad verlassen hat, wo es doch gerade anfing spannend zu werden, wenn er von seiner Fazination berichtet. Das, was in der Presse allgemeinhin gelobt wird, nämliche diese Mischung aus wissenschaftlichem Bericht und Prosa, ist mir eher negativ aufgefallen, denn ich hätte mich viel lieber auf seine Berichte und Erfahrungen konzentriert, wie es in den jeweiligen Gebieten der Unterwelt ausschaut und was dieser Anblick mit dem Menschen macht. Fazit Die Zusammenstellung der unterschiedlichen Arten der Unterwelt (von Berghöhlen über Gletscher bis hin zur Pariser Unterwelt) ist zwar gut gelungen, aber die jeweiligen Berichte über diese Welten werden immer wieder störend unterbrochen, in dem die Gedanken des Autors immer wieder abschweifen. Das gibt zwar eine Mischung aus verschiedensten Textarten, die ich aber weniger spannend empfand. Und so konnte ich mich nur in Grenzen für dieses Buch begeistern.
  • Von: Silke

    Robert MacFarlane gehört für mich zu den ganz großen Naturschriftstellern. Der 43-jährige Engländer, der oft in einem Atemzug mit John Muir und Edward Thomas genannt wird, schafft es, über Natur so zu schreiben, dass man das Gefühl hat, einen Krimi in der Hand zu halten. Sein aktuelles Werk, „Im Unterland. Eine Entdeckungsreise in die Welt unter der Erde “, nimmt uns mit auf eine Reise in die Welt unter uns. Im Unterland unter unseren Füßen Unterwelt, das klingt unheimlich. Wir verbinden es mit dem Totenreich, mit Dunkelheit und überhaupt mit allem, vor dem wir Angst haben. Und während der Mensch das Weltall erforscht hat und ziemlich genau weiß, wie es auf dem Mond aussieht, weiß er erschreckend wenig über das, was unter seinen Füßen liegt. „Schauen wir nach unten, sehen wir kaum mehr als Gras, Erde, Asphalt. Selten habe ich mich der menschlichen Sphäre ferner gefühlt als neun Meter unter ihr, gefangen im schimmernden Schlund einer Schichtfläche aus Kalk, die sich in Urzeiten auf dem Grund eines ehemaligen Meeres gebildet hatte“, schreibt der vielfach ausgezeichnete Autor. In der Höhle von Mendip Hills Genau in diese Welten unter uns nimmt uns Robert MacFarlane mit. Einige sind sichtbar, andere versteckt. Da gibt es die Begräbnisstätte von Mendip Hills in Somerset (Großbritannien), die 1797 von zwei Kaninchenjägern entdeckt wurde. Sie stießen bei der Verfolgung eines Kaninchens auf eine gewaltige Höhle voller Gebeine, die mindestens 10.000 Jahre alt waren. Großartiger Schreibstil Was das Buch so besonders macht, ist MacFarlanes großartiger Schreibstil. Einige Beispiele: An den Anfang setzt der Autor das Kapitel „Erste Kammer“, das mit dem Satz beginnt: „Der Weg ins Unterland führt durch den gespaltenen Stamm einer alten Esche.“ Und das letzte Kapitel, „Aufstieg“, beginnt ähnlich spannend: „Der Weg aus dem Unterland liegt dort, wo neun klare Quellen aus dem Fels treten.“ Begegnungen mit besonderen Menschen Sätze wie „Spätnachmittag, Frühherbst, unzumutbare Hitze. Flirrende Luft, brennend heiße Autotüren. Aber im Haus von Sean und Jane Borodale, im Schatten eines stillen Seitenarms des Nettlebridge Valley, ist es kühl wie in einer Vorratskammer“ versetzen den Leser direkt in dieses Haus, dessen Besitzer Sean Imker, Höhlenkletterer, Wanderer und Dichter ist. MacFarlane beschränkt sich im Buch nämlich nicht aufs Unterland, sondern beschreibt auch die Menschen, die ihm diese fremde Welt zeigen. So fühlt sich der Abstieg an Wem die dunkle Tiefe unheimlich ist, der findet sich in „Im Unterland“ bestätigt: „Der Einstieg ist mühsam – wir zwängen und winden uns in die Tiefe, bis ich jäh in einen Raum falle, der rundum geschlossen scheint, eine zylindrische Zelle.“ Wem jetzt nicht klaustrophobisch zumute ist, der muss selbst Höhlenkletterer sein. Unterwelten in vielen Regionen Europas Die Orte, die Robert MacFarlane in „Unterland“ besucht, liegen in unterschiedlichen Regionen Großbritanniens, in Paris, Italien oder Slowenien. Und im Norden, auf den Lofoten, in Norwegen und Grönland. Die Höhlen, die er beschreibt, beherbergen nicht nur Tote, sondern auch radioaktiven Müll. Und er stößt auch auf Insekten und anderes Getier, das kaum jemals einer zu Gesicht bekommt. Ein Grab für atomaren Müll Der Leser lernt das alles kennen, staunt über die grandiose Schönheit und erschrickt darüber, wie sehr der Mensch auch schon in der Tiefe eingegriffen hat. Am erschreckendsten ist tatsächlich das Kapitel über das atomare Endlager in Finnland. Es ist ein Grab, sicherer als ein Hochsicherheitsgefängnis. Und man hofft, dass das, was hier begraben liegt, dieses Grab niemals verlassen wird. „Wir wissen, wie wir mit Uran Strom erzeugen und Tod bringen können, aber wir wissen immer noch nicht, wie wir es entsorgen sollen, wenn es sein Werk getan hat“, so Robert MacFarlane. Er schätzt, dass weltweit zurzeit über eine Viertelmillion Tonnen hochradioaktiver Abfälle auf ihre Endlagerung warten. Und pro Jahr kommen etwa 12.000 Tonnen dazu. „Im Unterland“ ist spannend wie ein Krimi All das, das Schöne, das Unheimliche, das Spannende und das Erschreckende, beschreibt Robert MacFarlane auf eine so intensive, eindringliche Weise, dass man das Buch nicht mehr beiseitelgen möchte. Seine Sätze sind gedruckte Kunstwerke. Und so geschieht es, dass man das Buch mit seinen 560 Seiten, in einem Zug durchliest. Selten wurden Geschichten über Natur und Landschaften so spannend erzählt wie hier.
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