Das Kaffeehaus - Falscher Glanz von Marie Lacrosse

Marie Lacrosse Das Kaffeehaus - Falscher Glanz

Die junge Sophie von Werdenfels tritt ihre Stelle als Kaiserin Sisis Hofdame an. Doch im Hofstaat hat sie es schwer. Insbesondere die Gräfin Marie Festetics, Sisis Favoritin, verfolgt jeden ihrer Schritte mit Eifersucht und Argwohn. Sophie erlebt das vordergründig glamouröse, hinter den Kulissen jedoch zutiefst bigotte Leben am Kaiserhof mit. Als Hofdame muss sie auch an der Hochzeit ihrer großen Liebe Richard mit Amalie von Thurnau teilnehmen. Als sie selbst gegen ihren Willen mit einem viel älteren Adeligen verheiratet werden soll, flieht sie vom Hof ins Kaffeehaus ihres mittlerweile schwer kranken Onkels. Dort übernimmt sie die ersten Leitungsaufgaben …

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Ulrike Hartwig

    Gespannt habe ich auf den zweiten Teil der Kaffeehaus-Saga gewartet, der im April 2021 erschien. Marie Lacrosse erzählt die Geschichte der (fiktiven) Komtess Sophie von Werdenfels nahtlos weiter. Nach den tragischen Ereignissen in Mayerling („Schwerpunktthema“ des 1.Teils) ist der kaiserliche Hof bemüht, die Wahrheit bestmöglich zu vertuschen. Darum beruft Kaiserin Elisabeth Sophie zu ihrer Hofdame. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Sophie über alles schweigen muss, was sie über ihre Freundin Mary Vetsera und deren unheilvolles Verhältnis zu Kronprinz Rudolf weiß. Sophie stellt bald fest, dass der Glanz des Kaiserhauses nur vordergründig ist, hinter den Kulissen bietet sich ein gänzlich anderes Bild. Intrigen der Hofdamen untereinander sind keine Seltenheit. Als „Promeneuse“ ist Sophie häufig an der Seite der Kaiserin. Mit der Zeit kommt sie Elisabeth, wie sie sie nennen darf, wenn sie unter sich sind, näher und erfährt manches Geheimnis, das unbedingt gewahrt werden muss. Glücklich am Kaiserhof ist Sophie jedoch nicht. Sie macht sich Sorgen um ihre Mutter und vor allem um ihre jüngere Schwester, die oft unter dem strengen Stiefvater zu leiden hat. Sophie vermisst die Stunden, die sie gemeinsam mit ihrem Patenonkel Stephan in dessen Café Prinzess verbracht hat. Und am meisten vermisst sie Richard von Löwenstein (ein ebenfalls fiktiver Charakter), der seinerzeit zum engeren Kreis um Kronprinz Rudolf gehörte und den Sophie über Mary Vetsera kennengelernt hat. Seitdem liebt sie ihn. Richard jedoch ist der Komtess Amalie von Thurnau anverlobt. Und um Sophies Hand hält ein sehr viel älterer und ihr äußerst unsympathischer Adeliger an. Da erreichen sie beunruhigende Nachrichten aus dem Café Prinzess… Auch mit dem 2. Teil „Falscher Glanz“ ihrer „Kaffeehaus-Saga“ gelingt es Marie Lacrosse in hervorragender Weise, Geschichte zum Leben zu erwecken. Anschaulich berichtet sie nicht nur über das Leben am kaiserlichen Hof zu Wien nach dem Tod des Kronprinzen 1889, sie erzählt auch vom Leben und den Sorgen der damaligen Wiener Bevölkerung; so zum Beispiel vom Streik der Wiener Tramway-Kutscher. Hier treffen wir Irene Gerban wieder, die wir in der Weingut-Saga der Autorin kennengelernt haben. In dem sehr informativen Nachwort „Wahrheit und Fiktion“ klärt Marie Lacrosse auf, was auf Fakten beruht, wo sie ihre Fantasie spielen ließ, wo sie auf ihr psychologisches Fachwissen zurückgreift und wo sie historisch belegte Ereignisse aus dramaturgischen Gründen der Romanhandlung anpasste. Mein persönliches Fazit: Wo Marie Lacrosse draufsteht, ist höchster Lesegenuss drin. Meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen. Es war, als ob ich liebe Bekannte wieder treffen würde. Vor allem Richard von Löwenstein wurde mir immer sympathischer, und ich bin gespannt, wie seine Geschichte (und die Sophies) weitergeht. Viel zu schnell war ich am Ende des doch ca. 700 Seiten starken Buchs angelangt und blieb traurig zurück. Mein Trost war, dass Band 3 „Geheime Wünsche“ bereits im Herbst dieses Jahres erschien. Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Goldmann-Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch meine Meinung nicht beeinflusst.
  • Von: piavictoriaoc

    Wie bereits im ersten Buch der Reihe ist der Schreibstil grandios. Durch die richtige Wortwahl, die authentischen Gespräche und Beschreibungen fühlt man sich direkt ins späte 19. Jahrhundert versetzt. Dass die Autorin sehr viel wert auf Authentizität legt, wird auch allerspätestens im Nachwort klar, in dem sie ihre Quellen nennt und angibt, welche Ereignisse im Buch der Realität entsprachen und welche ihrer Fiktion entsprangen. Zwar gab es im zweiten Band mehr fiktive Elemente als im ersten Buch, dennoch wird sich grundlegend an wahren Begebenheiten orientiert. In diesem Band geht es nach den Ereignissen in Mayerling im Jahre 1889 weiter. Im Mittelpunkt steht wieder die junge Sophie von Werdenfels, die aufgrund ihres Wissens um die wahren Geschehnisse der Mayerling-Affäre, nun eine Anstellung als Hofdame der Kaiserin Elisabeth in der Hofburg antreten soll. Dies gibt viele Einblicke in das späte Leben Sisis und ihre Eigenarten - die aus heutiger Sicht durchaus psychische Erkrankungen sind. Ich persönlich fand das wahnsinnig interessant, zumal die Autorin sich auch hier sehr stark an Fakten gehalten hat und nur Kleinigkeiten angepasst hat. Auch der männliche Protagonist des ersten Bandes, Richard von Löwenstein, tritt auch in Band 2 wieder auf. Die beiden Charaktere haben kaum Berührungspunkte, deshalb werden quasi zwei Geschichten nebeneinander erzählt. Richard kommt in den Kontakt mit der Arbeiterschaft und erlebt deren Streik um bessere Arbeitsbedingungen. Auch diese Ereignisse sind weitestgehend faktisch korrekt dargestellt. Mit Ausnahme natürlich einiger Figuren, die fiktiv sind. Leider nimmt die Geschichte nie so richtig Spannung auf, sondern berichtet nur nacheinander von verschiedenen Ereignissen, die an sich schon spannend und interessant sind, aber im großen Zusammenhang nicht alle miteinander einen Spannungsbogen ergeben. Dennoch ließen sich die knapp 700 Seiten recht schnell weglesen, was eindeutige am wunderbaren Schreistil der Autorin lag. Für alle begeisterten Leser:innen des ersten Teils, ist auch dieser Band eindeutige die richtige Wahl! Er berichtet sehr spannende Fakten über das Kaiserpaar, allen voran natürlich Sisi, und baut zusätzlich noch Szenen der einfachen Arbeiterschaft mit ein. Rundum ist es ein authentischer historischer Roman, der der Wirklichkeit mit liebenswürdigen fiktiven Figuren einen schönen Rahmen gibt.
  • Von: Norbert Tischler

    Nach dem tragischen und unrühmlichen Ende Mary Vetseras und ihres geliebten Kronprinzen Rudolf im ersten Band der Kaffeehaus-Trilogie von Marie Lacrosse liegt jetzt der zweite Band vor, der die Leser*innenschaft wieder in die Endzeit der Habsburger-Monarchie führt. Einen, wie sich bald zeigt, morschen und und in vielen Bereichen dekadenten Staat, dessen oberste Repräsentaninnen und Repräsentanten nach außen hin einer Lebensweise folgen, die durch strenge katholisch-feudale und patriarchalische, militärische Traditionen geprägt ist. So sehr dieser Pomp und Glanz des Kaiserhauses und des Hochadels, der „hoffähigen“ Adelsfamilien, hochgehalten wird, so sehr ist er doch schon längst unterspült von Realitäten, die diese Ordnung hinter der Fassade auf unmoralische, ausbeuterische und korrupte Weise aushöhlen. Hauptprotagonistin des zweiten Bandes ist wieder Sophie von Werdenfels, die Freundin und Vertraute Marys, deren Kenntnis der wahren Hintergründe der Tragödie von Mayerling sie in eine Art „überwachte Existenz“ beim Kaiserhof führt. Heute würde man vielleicht sagen, sie wurde aus dem Leben, das sie liebt, „weggelobt“ und zu einer der Hofdamen der Kaiserin berufen. Das Cafè Prinzess ihres Onkels Stefan Danzer, in dem sie ihr eigentliches Zuhause sieht, wird für sie nun zu einem fast unerreichbaren Sehnsuchtsort. Ohne zu viel zu verraten, kann man sagen, daß sich während Sophies Zeit am Kaiserhof für die Leserinnen und Leser unerwartete, spannende Einblicke in die rastlose, oft zwiespältige Lebenswelt der Kaiserin eröffnen. Das höfische Leben - wie überhaupt die historischen Tatsachen, auf denen der Roman fußt - wurden wie im ersten Band sehr gründlich recherchiert. Die teilweise bestürzenden Geschehnisse und schockierenden Zustände im Zentrum der Macht des Vielvölkerstaates fegen den verkitschten „Sisi“ - Mythos jedenfalls schnell weg und eröffnen einen ungetrübten Blick auf die Realitäten: ehrgeizig verfolgte und beinhart durchgesetzte Interessen der herrschenden Schicht, die ihre scheinheilige Doppelmoral im religiös geprägtem Hofzeremoniell bemäntelt einerseits; eine schamlos ausgebeutete Unterschicht andererseits, die sich in ersten Streiks grundlegende Rechte zu erkämpfen beginnt. Auch Sophies eigenes Leben beginnt sich in eine gefährliche Richtung zu bewegen, als sie die Erwartungen, die an eine junge Komtesse gestellt werden, nicht erfüllen will. Auch die glanzvolle k.k. Armee wird – sehr realistisch – von der ernüchternden und teilweise verbrecherischen Seite gezeigt, die sie abseits der Romantik des „Radetzkymarsches“ vor allem in den entfernteren Gebieten der Monarchie prägte. Beim Lesen ist mir aufgefallen, wie wenig ich über das Leben dieser Kreise bisher wußte - wohl auch, weil ich von der heutzutage allgegenwärtigen Klatschpresse und der Kaiser-Romantik zu abgestoßen war, um mich eingehender damit zu befassen. Abgesehen vom Unterhaltungswert der Berichte über Festivitäten bei Hof, der teilweise sehr strengen, hierarchischen Kleidungsvorschriften und der Konkurrenz um den besten Auftritt, die Wettbewerbe um Präsenz im „Wiener Salonblatt“ (das man übrigens tatsächlich im Internet noch heute nachlesen kann) und die Art und Weise, wie auch hochgestellte Damen oft aus reiner Räson und gegen ihren Willen „gut“ verheiratet wurden, ist das Buch eben auch ein Zeitdokument, das ohne erhobenen Zeigefinger vorführt, was letztlich zum Untergang der „Donaumonarchie“ führen mußte. Es verspricht spannend zu werden, wenn der dritte Band der Kaffeehaus – Trilogie erscheint. Ich werde sicher zu seinen Lesern gehören und freue mich schon darauf, welche Entdeckungen über die Geschichte meiner Heimatstadt ich darin machen werde.
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