Das Ohr des Kapitäns von Gisbert Haefs

Gisbert Haefs Das Ohr des Kapitäns

Sklavenhandel, Schmuggelware und ein Kriegsgrund – der neue große historische Roman von Gisbert Haefs

Bei einer Routinekontrolle in karibischen Gewässern wird einem englischen Handelskapitän ein Ohr abgehauen. 1739 kommt es zum jahrelangen Kolonialkrieg mit dem größten Flottenaufgebot seit der Spanischen Armada.

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Moni2506

    „Das Ohr des Kapitäns“ von Gisbert Haefs erzählt die Geschichte einer Schatzsuche und des Kolonialkrieges in der Karibik. Erschienen ist der Roman im August 2017 im Heyne Verlag. Karibik, 18. Jahrhundert: Der spanische Erbfolgekrieg ist vorbei und die englischen Händler haben das Monopol erhalten Südamerika mit Sklaven zu beliefern. Kapitän Jenkins wird auf einer Fahrt, bei der er auch Schmuggelware dabei hat, von den Guardacostas vor Kuba überprüft. Da er nicht kooperiert wird ihm kurzerhand ein Ohr angeschnitten. Dieses bringt er nach England und löst so den Kolonialkrieg aus. Auch der junge Arzt und spätere Schriftsteller Tobias Smollett nimmt an dem Krieg teil. Es fällt mir schwer dieses Buch zu beurteilen. Einerseits hat es mir ganz gut gefallen, auf der anderen Seite hat sich die Geschichte für mich aber auch gezogen. Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen und lässt einen gut im Buch vorankommen. Sehr irritiert hat mich, dass dieses Buch wohl in der alten Rechtschreibung veröffentlicht wurde. Es war mir nicht bewusst, dass man das überhaupt machen kann. Dies kann ich aber auch nur daran festmachen, dass Wörter wie misslungen oder muss mit ß geschrieben werden. Des Weiteren ist die Sprache teilweise sehr derbe. Es gibt beispielsweise eine schönärschige Venus-Statue und es wird sehr viel wörtliche Rede benutzt. Es gibt ganz viele Gespräche in dem Buch und es werden nur kurz Dinge beschrieben. Die viele wörtliche Rede hat für mich dazu beigetragen, dass sich die Geschichte ein wenig gezogen hat. Ansonsten werden die Kapitel aus der Sicht eines der Protagonisten des Buches geschildert. Man erfährt etwas über die Gedankenwelt von Ortiz, Belmonte und auch O’Leary. Diese Einblicke fand ich interessant, da jeder auch einen ganz anderen Blickwinkel auf die Welt hat. Vor jedem Kapitel gibt es Zitate, die etwas mit dem Inhalt des Buches zu tun haben. Ich muss zugeben, dass ich nicht immer den Zusammenhang verstanden habe, aber die Zitate sind durchaus informativ. Die Personen in dem Roman fand ich sehr interessant und trotz der derben Sprache sympathisch. Kapitän Belmonte ist auf jeden Fall ungewöhnlich und hat eine bunt gewürfelte Truppe auf seinem Schiff. Juden, Schwarze, Iren, usw. finden sich alle auf der Santa Catalina wieder. Der schwarze Ortiz hat besondere Fähigkeiten. Er kann Unregelmäßigkeiten erkennen und so oftmals wichtige Hinweise liefern und auch ansonsten ist er nicht unbedingt auf den Kopf gefallen. Der Ire O’Leary bringt die Truppe rund um Belmonte und Ortiz auf die Fährte eines Schatzes, den sein Vater während des Kolonialkrieges versteckt hat. Am Krankenbett des Lazarettarztes Tom Smollett erfährt man dann viel über den Kolonialkrieg. Smollett war auf der Seite der Engländer und Belmonte auf der Seite der Spanier. So wird einem ein sehr detaillierter, aber auch differenzierter Blick auf den Kolonialkrieg gewährt, was mir gut gefallen hat. Nur selten kommen in einem Buch beide Seiten zu Wort. Die ganzen Daten und Details haben mich allerdings auch ein wenig erschlagen und so fühlte sich das Ganze auch sehr wie ein Geschichtsbuch an. Fazit: Insgesamt ein durchaus interessantes Buch, dass mit der vielen wörtlichen Rede und den vielen Daten und Fakten die Geschichte aber in die Länge zieht. Empfehlenswert für Leute, die gerne Abenteuerromane lesen und nicht vor derber Sprache zurückschrecken.
  • Von: Michael Taube

    Es fällt mir schwer, den Roman einzuordnen. Es ist ein Abenteuerroman. Es wird die Suche dreier Männer nach einem Schatz beschrieben. Die Auflösung ist übrigens brillant gemacht. Es ist ein Kriegsroman, da auf 100 der 298 Seiten (E-Book) der Kolonialkrieg in der Karibik beschrieben wird, inkl. der Namen der Befehlshaber, der Kanonenanzahl und der vielen Orte, an denen die Kämpfe stattgefunden hat. Einiges habe ich nachgeschlagen und es scheint zu stimmen. Es ist ein historischer Roman, weil der geschichtliche Hintergrund ein tragendes und belegtes Element des Romans ist. Ebenso gab es den Dichter Tobias Smollett tatsächlich. Die drei wichtigsten Romanhelden Tobias Smollett, O´Leary und Osvaldo Belmonte werden schön beschrieben. Sie geben mir das Gefühl, sie zu kennen. Insbesondere ihre Sprache, sie sprechen "wie ihnen der Schnabel gewachsen ist", um es mit den Worten meiner Mutter zu sagen, ist am Anfang ungewöhnlich, dann aber ein tolles Stilmittel. Gefallen haben mir auch die historischen Karten am Beginn des Buches. Mir erscheint das Werk von Gisbert Haefs wie eine Kurzgeschichte (der Abenteuerroman), die mittels einer gut recherchierten Kriegsgeschichte aufgeblasen wurde. Auf Grund des akkuraten Hintergrunds ist dies statthaft. Mein Fazit: Sprache und Schreibstil von Gisbert Haefs finde ich vortrefflich, die Nähe zum historischen Hintergrund beeindruckend. Der Roman selber ist mir allerdings zu lang, die Kampfbeschreibungen zu langatmig. Meine Empfehlung geht an die Menschen, die Militärgeschichte insb. Kolonialzeit als spannend ansehen. Sie werden mit dem Roman "Das Ohr des Kapitäns" vortrefflich unterhalten.
  • Von: Susanne Ullrich

    Ich bin nicht sonderlich begeistert von dem Buch. Tatsächlich fühlte ich mich gleich mehrfach an der Nase herumgeführt. Gemäß Klappentext wird Kapitän Jenkins in der Karibik das Ohr abgeschnitten, er läuft plärrend nach Hause und sofort satteln die Briten die Pferde (bzw. bemannen die Schiffe) und es entbrennt der Kolonialkrieg in Mittelamerika. Und mitten drin steckt der junge Tobias Smollett, der später als Romanautor berühmt wird. Ich erwarte also, dass wir Tobias auf dem Schiff bzw. durch den Krieg begleiten und das auch Jenkins eine große Rolle spielen wird. Falsch. Ganz abgesehen davon, dass zwischen dem Ohren-Abschneiden und Kriegsbeginn 8 Jahre(!) liegen, springen wir soweit in die Zukunft, dass der Krieg inzwischen schon lange vorbei ist. Eine Jahreszahl wird hier wieder nicht mehr genannt, sondern aus dem Text ergibt sich, dass etwa 30 Jahre verstrichen sind. Stattdessen begleiten wir plötzlich ein Handelsschiff unter Kapitän Belmonte im Mittelmeer. Gut, denke ich mir, das liest sich ganz interessant, das ist okay. Als die Sache mit dem möglichen Schatz aufkommt, wird es auch etwas spannend. Eine Schatzsuche gibt ja immer was her. Aber auch das läuft irgendwie ins Leere. Denn dann besuchen wir den gealterten Mr. Smollett und es folgt eine endlose Palaverei über den Kolonialkrieg. Es wird mit Daten und Namen im Schnelldurchlauf um sich geworfen. Der 3 Jahre andauernde Krieg wird sowohl aus britischer Sicht (von Smollett) als auch aus spanischer Sicht (von Belmonte) durchgekaut. Über 180 Seiten werden geschichtliche Daten herumgeschleudert, dass mir regelrecht übel wurde. Und ständige Zwischenfragen erforderten dann auch noch irgendwelche anderen geschichtlichen Exkursionen zu Biografien, Besitzungen und Landschaftsverhältnissen. Die Schatzsuche, die das Buch interessant gemacht hat, bildete nur den Hintergrund für diese langatmige Unterhaltung und wurde dann recht zügig abgehakt. Dass Gisbert Haefs fesselnd und spannend zu schreiben vermag, zeigt er meiner Meinung nach in dem Abschnitt wo der Leser Kapitän Belmonte durchs Mittelmeer begleitet. Die Schilderung des Kolonialkrieges, die wohl der eigentliche Inhalt des Buches sein soll, über einen endlosen Dialog hinweg ist aber ganz furchtbar. Da wäre es in meinen Augen besser gewesen, Haefs hätte sich grundsätzlich auf eine Seite – nämlich die von Smollett, wenn der schon im Klappentext steht – beschränkt. So hätte Smollett als Erzähler während des Krieges auftreten können. Meinetwegen hätte man auch während des Krieges Smollett und Belmonte begleiten können. Die Beiden hätten die Geschichte abwechselnd erzählt. Dann hätte man die Mittelmeer-Story und die Schatzsuche weglassen können, die beide völlig irreführend sind. Zunächst habe ich mich ja auch über die beiden historischen Karten am Anfang des Buches gefreut. Allerdings sind diese für mich schwer zu entziffern gewesen, weil so wirr und überladen. Die im Buch genannten Orte und Buchten habe ich nur in den seltensten Fällen gefunden, was diese Karten im Grunde überflüssig macht. Ihr merkt schon, es gibt ganz viele Sachen, die mir an dem Buch nicht gefallen haben. Dabei hat es im Grunde alles was man braucht für eine spannende und packende Lektüre. Die Umsetzung allerdings war überhaupt nicht mein Fall.
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