Die letzte Stunde von Minette Walters

Minette Walters Die letzte Stunde

Südengland, 1348: An der Küste ist die Pest ins Land gekrochen. Binnen kürzester Zeit entvölkert sie ganze Landstriche. Angst und Panik regieren. Allein Lady Anne nimmt das Heft in die Hand und bringt all ihre Schutzbefohlenen auf ihrem Anwesen in Sicherheit. Aber kann die Schicksalsgemeinschaft der Krankheit und den verzweifelten Anfgreifern von außen trotzen? Dann geschieht ein Mord und droht die Gemeinschaft endgültig zu zerreißen ...

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Leserstimmen Das sagen andere LeserInnen

  • Von: Daniela Anders

    Ein historischer Roman von Minette Walters? Das gibt´s? Ja! Ich habe es auch nicht gewusst und bin - wie sicher viele andere - davon ausgegangen, dass Minette Walters ausschließlich (sensationelle) Krimis schreibt. Doch sie kann auch historisch! Das stellt sich in dem Roman "Die letzte Stunde" trefflich unter Beweis. Über das Bloggerportal von Randomhouse bin ich in den Genuss dieses mal etwas anderen Minette-Walters-Roman gekommen. Schon allein das Cover spricht mich sehr an, da ich dieses kräftige Rot wunderschön finde und auch die Blüte und die geprägte Schrift sind einfach edel und schön. Zum Inhalt: Die Pest wütet in Südengland im Sommer des Jahres 1348 und macht vor keinem Halt. Lady Anne, Herrin von Develish, trotzt Dank ihres offenen Geistes und Intellekts dem Schwarzen Tod durch Sauberkeit und Trennung der Erkrankten von den Gesunden. Damit schafft sie es, nahezu alle Menschen des Anwesens vor dem sicheren Tod zu bewahren. Doch nicht ohne sich vor Verzweifelten und Raffgierigen zur Wehr setzen zu müssen. Zudem gehen die Vorräte zur Neige und mit ihrer Tochter Eleanor hat sie wirklich ein verwöhntes Früchtchen in ihrer Nähe, die sie zu hassen scheint. In der Gemeinschaft rund um Lady Anne herrschen nun nicht mehr Standesdünkel und gesellschaftliche Konventionen sowie das Zurschaustellen von Rang und Namen. Vielmehr geht es nun ums gemeinsame Überleben, um Zusammenhalt und eben um jeden einzelnen Menschen dieser Gemeinschaft. Sehr zum Verdruss von Tochter Eleanor sowie des von Lady Anne´s Ehemann seinerzeit eingestellten Verwalter Hugh de Courtesmain. Als Lady Anne dann noch den niedrig gestellten aber sehr intelligenten Bastard Thaddeus Thurkell vortan zu ihrem Verwalter ernennt, sorgt das für Unruhe und Unzufriedenheit. Dann geschieht ein Mord und alles wird droht zu zerbrechen. Ohne dass ich mich jetzt eine Emanze nennen würde kann ich doch behaupten, dass ich Bücher, in denen es um Frauen in früheren Zeiten geht, die quasi ihren Mann stehen und die unbeirrbar und stark und intelligent sind und sich durchsetzen können, sehr liebe! Genauso ein Buch ist das auch hier. Lady Anne wird mir sofort sympathisch, weil sie sich den damaligen Konventionen widersetzt, ihren sehr von seinem Stand eingenommenen und furchtbar widerwärtigen Ehemann so behandelt, wie er es verdient und sich so aufopfernd um ihre Schützlinge kümmert. Aber das ist nicht alles. In diesem historischen Roman geht es um die Pest. Deren Auswirkungen werden ausführlich beschrieben und ich ertappe mich wirklich oft dabei wie ich denke: "zum Glück habe ich damals nicht gelebt". Minette Walters beschreibt die damalige Zeit und deren Menschen sehr anschaulich und deutlich, ohne große Schnörkel. Das gefällt mir sehr. Auch die Geschichte an sich (Kampf gegen die Pest, der Mord und alles drum herum) ist einfach fesselnd und spannend. Allerdings könnten die einzelnen Charaktere irgendwie mehr herausgearbeitet, persönlicher, lebendiger geschrieben werden. Ich mag Bücher, bei denen mir die Charaktere entweder sehr ans Herz wachsen, weil sie einfach toll sind oder die ich mit tiefster Inbrunst verabscheue, weil es echte Mistkäfer sind. Diese Empfindungen fehlten mir hier ein bisschen, das hätte ich gern stärker gefühlt. Aber auch so ist es einfach ein tolles, spannendes und sehr lesenswertes Buch und ich gebe dafür sehr gerne vier Sterne mit einem Plus... also fast 5, wenn auch nicht ganz.
  • Von: Elke Heid-Paulus

    Minette Walters, die englische Bestsellerautorin psychologischer Spannungsromane, wechselt mit „Die letzte Stunde“ das Genre und wendet sich der Historie zu. Dorset, Südengland, wir schreiben das Jahr 1348. Schiffe haben die Pest ins Land gebracht, die Todesfälle häufen sich. Lady Anne, Herrin von Develish, zählt zu den klugen Köpfen ihres Standes. Sie hat bei Nonnen eine umfassende Erziehung genossen hat, und sie reagiert schnell. Um die Menschen zu schützen, die unter ihrer Fürsorge stehen, entscheidet sie sich für die komplette Isolation ihrer Wasserburg. Niemand darf diese verlassen, aber auch der Zutritt wird jedem verwehrt. Tragischerweise betrifft diese Anordnung auch ihren Mann, der mit seinem Gefolge auf dem Rückweg von einem benachbarten Anwesen ist und nun außen vor bleiben muss. Alle sterben an den Folgen der Krankheit. Die Vorräte reichen nicht ewig, die Reserven schwinden. Das Leben auf der Burg verändert sich, und nicht jeder kommt damit zurecht. Standesunterschiede verschwinden im Angesicht des Kampfes ums Überleben. Es ist nicht mehr die gesellschaftliche Position, die den Rang bestimmt, es ist die Art und Weise, wie man mit den neuen Verhältnissen zurechtkommt. Hier wird Thaddeus für Anne schnell unentbehrlich, ein ehemaliger Dienstbote, den sie aufgrund seiner Fähigkeiten zum Verwalter einsetzt. Hunger, Streitereien und Entbehrungen nagen an dem inneren Frieden, aber es kommt noch heftiger, als ein rätselhafter Mord geschieht. Im Gegensatz zu ihren straff erzählten Kriminalromanen nutzt Walters in diesem historischen „closed room“ Roman die breite Leinwand, verliert sich aber selten in Nebensächlichkeiten. Ihre Sympathien gehören den Niederen, den Rechtlosen, die ihr Leben in den Dienst der Gemeinschaft stellen und mehr moralische Integrität als Klerus und Adel besitzen In ihren Beschreibungen des Feudalsystems, der Landschaft, Personen, Lebensumstände etc. ist die Autorin so akribisch, wie wir es von ihr gewohnt sind, was mit Sicherheit intensiver Recherchearbeit geschuldet ist. Bleibt zu hoffen, dass sie dieses hohe Niveau auch in „In der Mitte der Nacht“, dem zweiten Band der Pest-Saga, halten kann. Ich gehe davon aus. Allen Fans von Rebecca Gablé und Ken Follet nachdrücklich empfohlen!
  • Von: MarySophie

    Handlung: Develish, Juli 1348 Während die Pest anfangs nur an der Küste ihr Unwesen trieb, breitet sie sich mittlerweile immer weiter ins Landesinnere aus. Ganze Landstriche werden entvölkert, die ganze Bevlkerung lebt fortan in ständiger Panik, eines Tages auch Opfer der namenlosen Krankheit zu werden. Lady Anne schafft es derweil auf Develish, die Bewohner zu beruhigen, weist an, dass die Schutzbefohlenen auf ihrem Anwesen Schutz finden und vernichtet jeden Weg zur Außenwelt. So abgeschottet schafft sie es, die Pest auf Abstand zu halten, doch mit der Zeit werden mehrere Probleme deutlich. Werden die Vorräte reichen? Wie können mögliche Streitigkeiten vermieden werden? Und werden sie irgendwann vielleicht doch noch von der Pest befallen werden? Diesen und weiteren Fragen muss sich Lady Anne tagtäglich stellen bis eine ganz neue Sorge hinzukommt. Ein Mord ist geschehen und die Gemeinschaft will eine Aufklärung davon... Meinung: Das Cover ist stark auffallend anhand der kräftigen roten Farbe. Dazu wurde mit goldener Schrift gearbeitet, was sehr edel und hochwertig aussieht. Als Blickfang dient eine rote Blume, die ich so noch nie gesehen habe und von der ich gerne mehr erfahren würde. Insgesamt sieht es recht ansprechend aus, ich hätte es in einer Buchhandlung auf jeden Fall in die Hand genommen und näher betrachtet. Dem Roman vorangestellt sind zwei Karten, jeweils eine von Develish und eine von Mittel-Dorseteshire. Ein sehr schönes Detail, besonders die Karte von Develish habe ich am Anfang öfter betrachtet, um die Lage von Gebäuden einzuschätzen. Mir hat eine Aufstellung der handelnden Personen gefehlt. Bei historischen Romanen finde ich dies immer sehr sinnvoll, da meist viele Personen auftreten und manche Namen sehr ähnlich klingen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir nicht jeden Charakter bei seinem ersten Aufftritt gemerkt habe und ein Wiedererkennen im weiteren Roman recht schwierig war. Von der Schreibweise war ich wirklich sehr angetan. Diese wurde der Zeit des Mittelalters gut angepasst, war hochtrabend und anspruchsvoll. Ab und an gab es eine Einbindung von historischen Begriffen, diese hätten gerne in größerer Fülle eingestreut werden können. Sehr eindrucksvoll wurde die beklemmende Stimmung in Develish geschildert. Diese war düster und bedrohlich, an vielen Stellen hat sich dies auch auf mich übertragen. Anhand dessen wurde dem Roman viel Realität verliehen, was mir richtig gut gefallen hat. Ereignisse wurden von einem allwissenden Erzähler geschildert, dabei werden diese aus der Sicht von verschiedenen Personen erzählt, meist von Lady Anne und Thurkell. Bei der ersten Betrachtung des Romans mit seiner Fülle hatte ich die Erwartung, dass sich die Handlung womöglich über mehrere Jahre erstreckt und war richtig überrascht, dass ich damit komplett falsch liege. Die Handlung beginnt Anfang Juni und erstreckt sich bis in den Monat September. Selten gibt es eine Angabe, wo man sich zeitlich gerade befindet, aber das reicht mir nicht. Ich hätte es richtig gut gefunden, wenn am Anfang eines jeden neuen Kapitels ein Vermerk gewesen wäre, an welchem Datum die Geschehnisse stattfinden. So hang ich zeitlich doch etwas in der Luft... Die Protagonisten sind, mit ganz wenigen Ausnahmen, sehr modern gestimmt, lassen sich ohne Widerworte Befehle von einer Frau geben und streben alle nach Höherem und einer besseren gesellschaftlichen Stellung. An einigen Stellen fand ich dieses fortschrittliche Denken richtig gut und war überrascht, wie tief manche Kapitel auf diesen Punkt eingehen. Doch irgendwann war es auch etwas zu viel des Guten, diese Anspielungen tauchten zu oft auf und haben dem eigentlichen Hauptthema, der Pest, starke Konkurrenz gemacht. Mit den Charakteren bin ich zwiegespalten. Manchmal fand ich sie richtig sympathisch und gut, besonders die Bauern haben mir mit ihrem einfachen und meist freundlichen Wesen gefallen. Doch gerade Lady Anne, ihre Tochter und der Leibeigene Thurkell haben oft meinen Unmut geweckt. Sie wirkten auf mich manchmal zu mechanisch, dann wieder zu gewollt liebevoll und einfach nicht richtig lebendig. Leider für mich keine gelungenen Hauptprotagonisten. Mir ist aufgefallen, dass das ganze Denken von allen Personen stark war, stets alle Zusammenhänge begriffen wurden und alle, egal ob Knecht oder Edelmann, eine hervorragende Bildung genossen haben. Das war mir zu fortschrittlich, nicht jeder Mensch auf einem Gut konnte lesen und schreiben. Auch die schnelle Assoziation von einfachen Knechten, dass die Pest von Ratten und Flöhen übertragen wird, hat nicht ganz gepasst. Fazit: Ein durchaus interessanter Roman, der eine spannende Geschichte erzählt, die an vielen Stellen fast schon Krimi-Potenzial hat. Aus diesem Grund hatte ich den Roman auch so schnell ausgelesen, weil die Handlung spannend geschildert wird und mir die Schreibweise so unglaublich gut gefallen hat. Leider hat mir aber nicht alles gefallen, allen voran die drei Hauptprotagonisten waren schwierig. Trotzdem bin ich schon arg gespannt auf die Fortsetzung des Buches, die auch schon bereit liegt, um in den nächsten zwei Wochen gelesen zu werden. Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternen
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